Moscheeneinrichtung

Zentrum der Islamischen Kultur IMAM ALI

Der Verein

Das Zentrum der Islamischen Kultur IMAM ALI wurde erstmals am 13. Juni 2001 vereinsrechtlich registriert und befindet sich im 21. Wiener Gemeindebezirk. Bei diesem Verein handelt es sich um die wichtigste schiitische Moschee in Österreich. Der Verein bietet seinen Besucher*innen zahlreiche religiöse, kulturelle und sportliche Aktivitäten.

Geschichte 

Die Geschichte des Islamischen Zentrum Imam Ali in Wien begann im Jahr 1992, als die Islamische Republik Iran ein Gebäude in der Mollardgasse 50 im sechsten Wiener Gemeindebezirk kaufte und dort ihre Aktivitäten unter dem Namen Zentrum für Islamische Kultur aufnahm. Damit wurde für die in Wien lebenden Iraner*innen erstmals ein Ort geschaffen, an dem sie ihre religiösen und kulturellen Zeremonien abhalten konnten. Mit Übernahme der Leitungsfunktion durch ḥuǧǧat al-islām Moʿezzī im Oktober 2000 wurden die islamischen Aktivitäten des Zentrums weiter ausgebaut. Im Juni 2001 wurde das Islamische Zentrum offiziell registriert und im Zuge dessen in Islamisches Zentrum Imam Ali Wien umbenannt (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.). 

Auf seiner Webseite bezeichnet sich das Islamische Zentrum Imam Ali als „eine der aktiven religiösen Vereinigungen in Österreich“ (ebd.). Das Zentrum wurde mehrere Male vom iranischen Außenminister Mohammad-Javad Zarif während der Atomverhandlungen in Wien besucht (Deutsche Welle 2020). 2018 wurde die Immobilie in der Mollardgasse verkauft. Im Februar 2018 wurde das Islamische Zentrum Imam Ali an seinem neuen Standort im 21. Wiener Gemeindebezirk,in der Richard-Neutra-Gasse 8, eröffnet (Ichner 2019; Deutsche Welle 2020). Die Eröffnung fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Gründung der Islamischen Republik Iran statt (Deutsche Welle 2020). 

Rechtsform und -lage

Im Zentralen Vereinsregister ist unter der ZVR-Zahl 464340204 das „Zentrum der Islamischen Kultur IMAM ALI“ als Verein eingetragen. Das Entstehungsdatum ist der 13. Juni 2001, der Verein befindet sich in der Richard-Neutra-Gasse 8 im 21. Wiener Gemeindebezirk. Obmann des Vereins ist seit 08.06.2019 Mahmoud Montazeri Moghaddam, als Schriftführer fungiert Mag. Erich Waldmann. 

Das Islamische Zentrum Imam Ali ist eine gemeinnützige GmbH, welche mit der Firmenbuchnummer FN 243276i im Firmenbuch eingetragen ist. Geschäftsführer der GmbH ist der seit 12. Dezember 2003 zugelassene Gesellschafter Montazeri Moghaddam Mahmoud mit einer Beteiligung von 100 %. Zudem ist das Islamische Zentrum Imam Ali Gesellschafter der Iman GmbH mit einem Anteil von 100 % (Firmen ABC o. J.). Die Bezeichnung „Iman GmbH“ ist gemäß der Webseite die Abkürzung für „Institut für muslimische Aufklärung der Neuzeit“ (IMAN 2018). 

Seit Eröffnung des Islamischen Zentrum Imam Ali an seinem neuen Standort im 21. Wiener Gemeindebezirk läuft aufgrund der Widmung des Grundstücks als Industriegebiet ein Rechtsstreit darüber, ob das Islamische Zentrum Imam Ali an seinem jetzigen Standort betrieben werden darf (Deutsche Welle 2020; Edler 2019).

Das Islamische Zentrum Imam Ali möchte als Teil der Schiitischen Kultusgemeinde in die IGGÖ integriert werden, ihr Antrag auf Gründung wurde jedoch vom Kultusamt abgelehnt. In diesem Zusammenhang erklärt Ümit Vural, Präsident der IGGÖ:  "Daher bleibt die Schiitische Kultusgemeinde in einem rechtlichen Nirvana gefangen und ihre endgültige Integration in die IGGÖ wird behindert. Dennoch betrachten wir die schiitischen Geschwister als integralen Teil der IGGÖ und werden in dieser Causa das Gespräch suchen." (APA 2019)

Organisationsstrukturen

Gemäß eigener Angaben auf der Webseite sind Ansprechpartner in sämtlichen Belangen im Zusammenhang mit dem Islamischen Zentrum Imam Ali der Leiter des Zentrums, ḥuǧǧat al-islām Mahmoud Montazeri, und der Direktor für Bildung und Forschung, ḥuǧǧat al-islām Muhammad Waldmann (Erich Waldmann).

Ehemalige Imame des Zentrums sind:ḥuǧǧat al-islām Mohammad-Ali Mohsenzadeh,ḥuǧǧat al-islām Seyed Yousof Ebrahimian und Ajatollah Reza Ramezani-Gilani (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.).

Der Imam des Islamischen Zentrums Imam Ali wird vom Stellvertreter für internationale Beziehungen des Amtes des obersten Führers bestimmt, so berichtetdie Nachrichtenargentur Tasnim: 

„Laut der außenpolitischen Abteilung der Nachrichtenagentur Tasnim ernannte ḥuǧǧat al-islām Mohsen Qomi, Stellvertreter für internationale Beziehungen des Amtes des obersten Führers, gestern, dem Vorabend des Geburtstages von Imam al-Ḥasan ibnʿAlī ibn Abī Ṭālib (AS),ḥuǧǧat al-islām Mohsenzadeh zum neuer Leiter des Islamischen Zentrums Imam Ali (AS) in Wien.“ (Tasnimnews 2016)

Theologische/Ideologische Orientierung

Laut den Informationen auf der Webseite des Zentrums ist es vorrangiges Ziel, die in Österreich lebenden Muslim*innen bei der Erfüllung ihrer religiösen, kulturellen und sozialen Pflichten und Aktivitäten zu unterstützen und eine geeignete Atmosphäre für religiöse Zeremonien und islamische Rituale und Gottesdienste zu schaffen. Dabei richtet sich das Islamische Zentrum Imam Ali – laut Webseite– insbesondere an „Schiit*innen und iranische Landsleute“ (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.).

Das Zentrum pflegt Kontakte zu unterschiedlichen schiitischen und sunnitischen Institutionen in Österreich (ebd.).

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Aktivitäten und Ziele

Gemäß der Webseite sind die Ziele des Islamischen Zentrum Imam Ali die Verbreitung islamischen Wissens sowie die Erweiterung und Vertiefung religiöser und kultureller Kenntnisse, um dadurch die Wahrung und Stärkung der islamischen Identität zu gewährleisten. Zudem sollen der Zusammenhalt unter den in Österreich lebenden Muslim*innen gestärkt und religiöse, kulturelle und soziale Aktivitäten gefördert werden. Ein weiteres Ziel ist es, Nicht-Muslim*innen den Islam vorzustellen (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.). 

Das Zentrum bietet verschiedene Programme an, um die genannten Ziele zu erreichen. Diese können in drei Gruppen unterteilt werden: religiöse, kulturelle und Sportprogramme. Das religiöse Programm umfasst die täglichen Gebete, Feiern und Trauerzeremonien, Lehren und Rezitieren des Korans, religiöse Vorträge, Religionsunterricht sowie die Möglichkeit, Fragen zu religiösen Belangen zu stellen. Regelmäßig (aktuell freitags) wird schiitischer Islamunterricht in türkischer Sprache von dem Gelehrten ḥuǧǧat al-islām Ali Ekber Mazlumi angeboten, Aufnahmen dieses Unterrichts werden Interessierten zur Verfügung gestellt. Auch in deutscher Sprache wird die schiitische Sicht des Islams in Kursen unterrichtet.

In den kulturellen Bereich fällt das Veranstalten von Konferenzen, das Veröffentlichen von Büchern und Broschüren, das Unterrichten der persischen und der deutschen Sprache und Ausbildungsprogramme in verschiedenen Bereichen (z. B. Computerkurse). Nach erfolgreichem Abschluss werden den Teilnehmer*innen Zertifikate verliehen.

In die dritte Kategorie fallen unterschiedliche Sportprogramme, wie Bodybuilding-, Taekwondo- und Schwimmkurse.

Darüber hinaus bietet das Zentrum Heirats- und Scheidungsdienste, Familien- und Sozialberatung sowie Beerdigungen und Trauerzeremonien. Manche der Angebote richten sich ausschließlich an Frauen (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.). So wird, geleitet von Frau Schaykha Dr. Masume, eine „deutschsprachige Beratung für Schwestern Islamische Lebensgestaltung, Frauenangelegenheiten, Studium Kindererziehung, Ehevorbereitung, Fragen zu Islam und Konversion“ regelmäßig angeboten (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.). 

Das Zentrum verfügt über eine Bibliothek mit mehr als 10.000 Büchern. Darüber hinaus gibt es eine Gebetshalle, eine Konferenz- und Filmvorführhalle, eine Handwerks- und Computertrainingshalle, einen Lesesaal und einen Sportclub.Es betreibt ein Jugendzentrum, ein Zentrum für Frauen, ein Multimedia-Zentrum und ist Herausgeber der Zeitschrift Tohur (ebd.).

Die Iman-Akademie, deren Gesellschafter das Islamische Zentrum Imam Ali ist, arbeitet gemäß ihrer Webseite „mit den erforderlichen Lizenzen der österreichischen Regierung und in Übereinstimmung mit den Regeln sowie in Interaktion und Zusammenarbeit mit der Al-Mustafa International University als angesehene internationale Universität“, welche ein Bachelor-Studium im Bereich Islamstudien anbietet (Islamisches Zentrum Imam Ali o. J.). Ihren Absolvent*innen wird nach erfolgreichem Abschluss des Studiums ein vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie der Islamischen Republik Iran genehmigtes offizielles Abschlusszeugnis verliehen (ebd.). 

Die Informationen auf der Webseite des Zentrums sind auf Persisch und teilweise auf Deutsch abrufbar und werden laufend aktualisiert und erweitert. Auf der Webseite finden sich auch die monatlich aktualisierten Gebetszeiten für alle neun österreichischen Bundeshauptstädte, wichtige Kontaktdaten sowie aktuelle Nachrichten und Artikel. 

Bezug zur Islamischen Republik Iran

Jedes Jahr wird der Jahrestag der Islamischen Revolution im Islamischen Zentrum Imam Ali feierlich begangen. In diesem Zusammengang finden unterschiedliche Veranstaltungen statt, es werden Sitzungen und Podiumsdiskussionen sowie Vorträge abgehalten, so beispielsweise vom iranischen Botschafter in Wien.

Feiern zu Ehren iranischer Diplomaten und anderer iranischer Persönlichkeiten werden ebenfalls organisiert, so fand auch das Treffen der Union of Islamic Student Association in Europe (UISAE) im Islamischen Zentrum Imam Ali statt, welches von einer Ansprache des Ayatollah Khamenei, dem Führer der Islamischen Republik Iran, eingeleitet wurde. 

Die Abschiedszeremonie des ehemaligen Imams von Wien und gleichzeitig Einführungsveranstaltung des neuen Imams wurde vom Vertreter der marǧaʿ at-taqlīd (oberste Instanz der Schiiten), Ayatollah Sheikh Mohsen Qomi, abgehalten. Bei dieser Veranstaltung waren Imame und Leiter der wichtigsten schiitischen Zentren in Europa (u. a. Stockholm, Schweden, Berlin, Frankfurt), andere österreichische schiitische Imame, der damalige iranische Botschafter und der ständige Vertreter der Islamischen Republik Iran bei den Vereinten Nationen, ebenso Beamte und Mitglieder von Institutionen, die mit islamischen Ländern wie dem Iran und Pakistan verbunden sind, anwesend.  

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Zukunft: Chancen und Herausforderungen

Das Islamische Zentrum Imam Ali sieht sich als Teil der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Muhammad Waldmann äußerte sich diesbezüglich in einem Interview wie folgt: 

„Wir legen auf die Wahrung der Einheit unter den Muslimen großen Wert und wollen als eine der fünf offiziellen Rechtsschulen des Islam unsere Rechte innerhalb der IGGiÖ repräsentativ wahren. Aus diesem Grund stehen wir schon seit mehreren Jahren im Gespräch mit der IGGiÖ.“ (Schmidinger 2007) 

Auch zukünftig wird es eine Herausforderung des Islamischen Zentrum Imam Ali bleiben, sich innerhalb der sunnitisch geprägten Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich als schiitische Institution zu behaupten. 

Die aktuellste Herausforderung für das Islamische Zentrum ist jedoch zweifelsohne der Rechtsstreit hinsichtlich des Standorts. 

In den letzten Jahren ist ein Anstieg der Zahl der Besucher*innen, insbesondere afghanischer Herkunft, zu beobachten. Darauf reagiert das Islamische Zentrum Imam Ali mit einer stetigen Erweiterung seiner Angebote, so beispielsweise auch durch die Einladung von Vortragenden aus unterschiedlichen Ländern, wie ḥuǧǧat al-islām Hüseyin Güneş und šaiḫa Dr. Masume. 

Referenzen

APA. (2019). IGGÖ: "Homophobie genau so abzulehnen wie Islamophobie".  https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190419_OTS0075/iggoe-homophobie-genau-so-abzulehnen-wie-islamophobie  Zugegriffen: 03.05.2021

Deutsche Welle. (2020). Monāqešeh bar sar-e moured-e kārbarī-ye „Markaz-e Eslāmī-ye Emām ʿAlī (Streit um die Nutzung des Islamischen Zentrum Imam Ali).https://www.dw.com/fa-ir/مناقشه-بر-سر-مورد-کاربری-مرکز-اسلامی-امام-علی-در-وین/a-54825661. Zugegriffen: 11. Dezember 2020.
Edler, A. (2019). Was der islamische Verein Imam Ali zu den Vorwürfen sagt. Mein Bezirk, 29.03.2019.https://www.meinbezirk.at/wien/c-lokales/was-der-islamische-verein-imam-ali-zu-den-vorwuerfen-sagt_a3291795. Zugegriffen: 11. Dezember 2020. 
Firmen ABC. (o. J.). Islamisches Zentrum Imam Ali gemeinnützige GmbH. Abgerufen von: https://www.firmenabc.at/islamisches-zentrum-imam-ali-gemeinnuetzige-gmbh_KQJj[11.12.20].
Ichner, B. (2019). Republik Iran kaufte Grund in Wien für Bau einer Moschee. Kurier, 09.01.2019. https://kurier.at/chronik/wien/republik-iran-kaufte-grund-in-wien-fuer-bau-einer-moschee/400372079. Zugegriffen: 11. Dezember 2020.
IMAN. (2018). Ākademī-ye Īmān (Iman-Akademie). Abgerufen von: http://www.iman-ac.at/fa/درباره-آکادمی/[11.12.20].
Islamisches Zentrum Imam Ali [Webseite]. (o. J.). http://www.izia.at/fa/. Zugegriffen: 11. Dezember 2020.
Schmidinger, Th. (2007). Islam in Österreich – zwischen Repräsentation und Integration. In A. Khol, G. Ofner, S. Karner, D. Halper (Hrsg.), Österreichisches Jahrbuch für Politik(S. 235–256). Böhlau: Wien. 
Tasnimnews. (2016). رئیس جدید مرکز اسلامی امام علی(ع) وین معرفی شد.https://www.tasnimnews.com/fa/news/1395/04/01/1111188/رئیس-جدید-مرکز-اسلامی-امام-علی-ع-وین-معرفی-شدZugegriffen: 13. April 2021.

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Herkunft: 
Iran
Gegründet: 
Mittwoch, Juni 13, 2001
Verbindung ins Ausland: 
Islamische Republik Iran
Ausrichtung: 
schiitisch
Kultusgemeinde: 
unklar
ZVR: 
464340204