Türkischer Kultur und Betreuungsverein in Imst

Location

Adresse: 
Karl-von-Lutterotti-Straße 2
Ort: 
6460 Imst
Bundesland: 
Tirol
Tel: 
05412/ 61169; 05412 66500
Herkunft: 
Türkei
Dachverband: 
Austria Türkische Föderation ATF
Mitglieder: 
100
Verbindung ins Ausland: 
MHP in der Türkei
Ausrichtung: 
Nationalistisch
Kultusgemeinde: 
Türkische Föderation Bundesländer

Der Verein

Der "Türkischer Kultur und Betreuungsverein in Imst" ist Mitglied der Kultusgemeinde Türkische Föderation Bundesländer. Der Verein findet sich nicht im Vereinsregister, das Gründungsdatum ließ sich nicht eruieren. Die Mitgliederzahl beruht auf den Angaben des Vereins. 

    Die Kultusgemeinden der Türkischen Föderation

    Nach Inkrafttreten des neuen Islamgesetzes im Jahr 2015 organisierte sich die Türkische Föderation in 2 Kultusgemeinden mit insgesamt 20 Moscheevereinen innerhalb der IGGÖ:

    Kultusgemeinde Türkische Föderation
    Kultusgemeinde Türkische Föderation Bundesländer

    Diese Struktur ist allerdings in erster Linie den Vorgaben des Islamgesetzes von 2015 und der in diesem festgelegten Struktur der IGGiÖ geschuldet. Stimmberechtigt sind innerhalb der IGGÖ die einzelnen Kultusgemeinden, zudem hat jede Kultusgemeinde das Recht, eine/n Vertreter/in in den Schurarat zu entsenden (Art. 8, Abs. 3 der Verfassung der IGGiÖ) und muss mit zumindest einer/m Vertreter/in im Obersten Rat der Glaubensgemeinschaft vertreten sein (Art. 9, Abs. 3). Auf die tatsächliche Struktur und Arbeitsweise der Organisation haben die Kultusgemeinden keine Auswirkung. Laut den Statuten der einzelnen Ortsvereine der Islamischen Föderation Wien sind die ihr angehörigen Vereine Zweigvereine des Dachvereins "Verein Dachorganisation türkischer Kultur- und Sportgemeinschaften in Österreich" in der Hosnedlgasse 11 in 1220 Wien. Die einzelnen Mitgliedsvereine sind diesem gegenüber weisungsgebunden. Neben den 20 in den beiden Kultusgemeinden versammelten Moscheevereinen betreibt die Türkische Föderation noch weitere 11 Vereine in Österreich.

    Die Türkische Föderation ist Mitglied der IGGiÖ. Mit Baki Uslu, der wegen der Verbreitung des Wolfsgrußes (Erkennungszeichen der Grauen Wölfe) in die Kritik geriet[1], sitzt ein Mitglied der Türkischen Föderation im Obersten Rat der IGGÖ, die beiden Vorsitzenden der Kultusgemeinden, Osman Cetiner (KG Türkische Föderation Wien) und Ahmet Yurttas (KG Türkische Föderation Bundesländer) sowie weitere Mitglieder sitzen im Schura-Rat.

     

    Geschichtlicher Hintergrund

    Die Türkische Föderation (Avusturya Türk Federasyon (ATF)) geht auf die türkische Ülkücü (Idealisten)-Bewegung zurück, welche 1961 von Alparslan Türkes gegründet wurde. Nachdem der Islam in der Türkei durch den Kemalismus sein identitätsstiftendes Element verloren hatte, konnte die Ülkücü-Bewegung diese Lücke durch die Hervorhebung eines alle Turkvölker verbindenden Elements füllen. Die Ülkücü-Bewegung hat in ihrer Partei der Nationalen Bewegung (Milliyetci Hareket Partisi, MHP) ein bis heute politisch aktives Organ, deren Anhänger auch unter dem Namen „Graue Wölfe“ bekannt sind. Da die Bewegung alle ethnisch-kulturellen Unterschiede innerhalb der Türkei leugnete, richtete sich die politische Agitation der MHP vor allem gegen die Autonomiebestrebungen der Kurden. Aus Sicht der MHP sind die nationalen Autonomiebestrebungen der Kurden obsolet, da die Kurden als Teil des türkischen Nationalstaats, und somit als Türken anzusehen sind. Auf dieser ideologischen Grundlage tendieren die Grauen Wölfe zu einem militanten Vorgehen gegen Autonomiebestrebungen und Andersdenkende. Seit Ende der 1960er Jahre sollen bis zu 5000 Morde auf das Konto der Bewegung gehen.[2]

    Die Ülkücü-Bewegung vertritt einen Rassismus, in dessen Mittelpunkt die „Überlegenheit der türkischen Rasse“ steht. Damit verknüpft sind antisemitische Verschwörungstheorien, nach denen die Juden mit den „Gegnern“ der Türken, Armeniern, Kurden, Aleviten, Griechen, Amerikanern, Europäern etc. kollaborieren. Hinzu kommt ein Führerkult um den Gründer der Bewegung, Alparslan Türkes, dessen „Neun Lichter- oder Strahlen-Doktrin“ (Dokuz-Isik-Doktrin) laut dem Antisemitismus Forscher Wolfgang Benz in Diktion und Inhalt an Hitlers Mein Kampf erinnert.[3]

    Bei den letzten Wahlen in der Türkei im November 2015 hat die MHP nur 11,9%  der Stimmen und 40 Mandate erzielt. Wählerstromanalysen zeigten, dass die MHP viele ihrer Wähler an Erdogans religiös konservative AKP - Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (Adalet ve Kalkinma Partisi) verloren hat.

    Das Symbol der Grauen Wölfe ist der heulende Wolf im Halbmond, abgeleitet von der türkischen Mythologie, speziell der Ernekon-Legende, die auf zentralasiatischen Motiven aufbaut: In Göktürkischer Zeit, so der Mythos, wurden die türkischen Stämme von ostasiatischen Eroberern vernichtet. Nur wenige Überlebende konnten sich in das sagenhafte Ernekon Tal retten, wo sie neuerlich zu einer großen Nation heranwuchsen. Als ihnen das Tal zu klein wurde, starteten sie von dort mit Hilfe einer Wölfin die Eroberung Anatoliens. Die Sage geht auf mongolische und chinesische Vorlagen zurück.
    Das Erkennungszeichen der Grauen Wölfe ist der sogenannte Wolfsgruß: Zeige- und kleiner Finger werden nach oben gestreckt, Daumen, Mittel- und Ringfinger werden zur Wolfsschnauze zusammengeführt.

     

    Ausrichtung

    Die Türkische Föderation ist extrem türkisch nationalistisch, rechtsextrem und islamistisch, wobei das religiöse Moment erst seit einer Neuausrichtung der MHP in den 1980er Jahren verstärkt in den Vordergrund trat. Dadurch konnten religiös konservative Wählerschichten angesprochen werden, was aber gleichzeitig auch mit einer verstärkten Ablehnung von Aleviten verbunden ist, die aktiv bekämpft werden.[4]

    Für die Türkische Föderation bedeutet die Integration der türkisch-stämmigen Bevölkerung in Österreich eine Gefahr in Richtung Assimilierung und damit Verlust der türkischen Identität. Die extreme Betonung der Zugehörigkeit zur türkischen Identität und Nation verhindert den interkulturellen Dialog und die Bereitschaft der türkischen Jugendlichen, sich in die österreichische Gesellschaft zu integrieren. Die Schwächung der Mutterbewegung MHP in der Türkei verursachte bei der Türkischen Föderation eine Verlagerung der Orientierung weg von Türkei hin zu einer intensiveren Arbeit in Österreich. Vor diesem Hintergrund kann auch die Kooperation der Türkischen Föderation mit anderen türkischen Organisationen bei den letzten Wahlen in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) angesehen werden. Abweichungen in theologischer und ideologischer Sicht sind regional (in den verschiedenen Zweigniederlassungen) möglich.

     

     

    Aktuelle Aktivitäten

    Die Türkische Föderation ATF fällt immer wieder durch rechtsextreme und islamistische Aktionen auf. So hat sich ein Funktionär der ATF Linz, Abdurrahman Alpaslan, im Februar 2016 auf einem Gedenkstein im KZ Mauthausen stehend und die Hand zum Wolfsgruß erhoben fotografieren lassen und das Bild selbst über Facebook verbreitet. Das brachte auch den Linzer SP-Bürgermeister Klaus Luger neuerlich in die Kritik, denn die Linzer SPÖ betrachtet die ATF als ganz normalen Verein, Funktionäre der Partei nahmen immer wieder an Festivitäten des Vereins teil, unter anderem am jährlichen Tag der Flagge.[5]

    Die Türkische Föderation unterstützt aktiv den Wahlkampf des türkischen Präsidenten für ein „Ja“ beim Verfassungsreferendum am 16. April 2017 in der Türkei.      

    Zuletzt berichtet der FALTER über die Indoktrination von Kindern in Moscheen der Türkischen Föderation. Bilder zeigen, wie schon kleinen Kinder stolz mit dem Erkennungszeichen der Grauen Wölfe, dem sogenannten Wolfsgruß, vor der Kamera posieren.                                                                                       

    Zusammenarbeit

    Die Türkische Föderation arbeitet mit der türkischen Regierungspartei AKP und ihrem österreichischen Ableger UETD, sowie mit dem Moscheeverband ATIB zusammen. Ein Teil der Imame der Türkischen Föderation in Österreich wird von der türkischen Religionsbehörde DIYANET gestellt.

     
     

    Fußnoten

    [1] http://derstandard.at/2000041833915/Generalsekretaer-der-islamischen-Glaubensgemeinschaft-bleibt-nach-Wolfsgruss-im-Amt (abgerufen 27.03.2017)
    [2] Ina Wunn,  Hamideh Mohaghegh, Muslimische Bewegungen in Deutschland. Ein Handbuch, Stuttgart 2007, S. 67.
    3] Wolfgang Benz (Hg.), Handbuch des Antisemitismus: Organisationen, Institutionen, Bewegungen, Berlin 2012, S. 292.
    [4] Ina Wunn,  Hamideh Mohaghegh, Muslimische Bewegungen in Deutschland. Ein Handbuch, Stuttgart 2007, S. 67.
    [5] https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/wolfsgruss-in-der-kz-gedenkstaette/186.454.344 (abgerufen 27.03.2017), https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/spoe-heult-mit-grauen-woelfen/120.207.564 (abgerufen 27.03.2017)
     

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