Moscheengemeinde

Nizam-I Alem Ocagi - Verein zur Unterstützung der Türken in Österreich

Der Verein

Hintergrund
Nizam-i Alem Ocagi (deutsch: „Herd der Weltordnung“) bzw. Alperen Ocaklari sind Mitgliedsvereine der ATB. Alperen Ocaklari ist zudem die Bezeichnung der Jugendverbände der BBP. Sie sind sowohl in der Türkei als auch in Europa vertreten. In Österreich ist die ATB durch den Verein Avusturya Nizam-i Alem Ocagi vertreten, der über zwei Mitgliedsvereine in Wien und einen in Braunau/ Oberösterreich verfügt. Darunter befinden sich auch Jugendvereine (Alperen Ocaklari).
„Nizam-i Alem“ („Weltordnung“) wird in der Selbstbeschreibung erläutert als:

[…] der Name der Daawa, deren Gründer und einziger Führer der Prophet (Resulullah) ist. Nizam-i Alem ist das Tagebuch des Märtyrertums. Nizam-i Alem ist die große Liebe, die den 21-jährigen Fatih in die Lage versetzt hat, dass sich die Schiffe über Land bewegten. Nizam-i Alem ist der Duft des Schießpulvers der Hindukusch-Berge und des Dschihads […] Nizam-i Alem ist Dschochar Dudajew, [Nizam-i Alem] ist Alija Izetbegović […].

Das Ziel für die Weltordnung sei der „İ'lây-ı Kelimetullah“. Das bedeutet, Gotteswort (d.h. den Koran und seine Bestimmungen) zu ehren, zu verteidigen, zu leben und zu verbreiten. Das Erreichen der Nizam-i Alem (der Weltordnung) sei vergleichbar mit den Stufen einer Leiter und bestehe aus den folgenden Stufen: Nizam-i-Nafs (Familie, Umgebung, Nation, Staat), Turan (Internationale Gemeinschaft der türksichen Völker) und schließlich Nizam-i Alem.
 

ATB („Verband der Türkischen Kulturvereine in Europa“)
Der ATB (Verband der Türkischen Kulturvereine in Europa - Avrupa Türk Kültür Dernekleri Birligi) ist der europäische Dachverband der islamisch-nationalistisch türkischen BBP (Partei der großen Einheit – Büyük Birlik Partisi). Der Verband wurde 1992 zunächst  unter dem Namen Avrupa Nizam-i Alem Ocaklari Federasyonu (Föderation der Weltordnung, ANOF) gegründet. 2002 wurde er  auf den heutigen Namen umbenannt.
Die Zentrale der ATB befindet in Frankfurt am Main, in Deutschland. Mitgliedsvereine existieren laut Webseite in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Belgien, Dänemark und in Frankreich. Der gegenwärtige Präsident der ATB ist Erol Yazicioglu. 
Der ATB bietet diverse Dienstleistungen an: Pilgerreisen-, Umrah (kleine Pilgerfahrt)- und Opferfest-Organisationen und verfügt über einen Bestattungsfonds. Aktuell organisiert ATB eine Hilfskampagne für die in Syrien lebenden Turkmenen.
Laut Selbstdarstellung ist der ATB eine gemeinnützige Organisation mit Rechtsstatus. Ihre Ziele bestehen darin, die Bräuche, Traditionen und Glaubensgrundlagen der Türken in Europa zu wahren und an die zukünftigen Generationen weiterzugeben, ohne gegen die Gesetze des jeweiligen Landes zu verstoßen.
Ihre Identität beschreibt die ATB als national-islamisch. Ihr politisches Verständnis beruht auf der Auffassung, dass die „heiligen Werte“ wie Flagge, Heimat und Religion von allen gesellschaftlichen Kreisen angenommen werden sollten. Allerdings sollten diese nicht für politischen Zwecke instrumentalisiert werden.
Das offizielle Emblem der ATB und der Alperenler ist ein Halbmond mit drei Rossschweifen (siehe das Logo des Vereins). Die Rossschweife symbolisieren Staat, Nation und Herrschaft Gottes. Der Halbmond ist das Symbol für den Islam.
Der Staat wird auf der Webseite der ATB als Einheit, Zusammengehörigkeit, Macht und Autorität beschrieben. Dabei wird erläutert, dass die türkische Nation im Laufe der Geschichte einen starken Staat gegründet und Geschichte geschrieben habe. Das Staatsverständnis der Alperen Ocaklari ist mit folgendem Satz umrissen: „Der Staat für die Nation.“ Der Staat sei für das Glück, den Frieden und die Ehre der Nation da. Das Staatskonzept ist geprägt durch die Aussage von Scheich Edebali[iii]: „Lasse den Menschen leben, damit der Staat lebt.“
Die Nation definiert sich laut ATB über Sprache, Religion und das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte und Kultur. Es wird  prahlerisch auf das Osmanische Reich verwiesen, welches über einen Zeitraum von neun Jahrhunderten dem Islam gedient und ihn geführt habe.
Der folgende Auszug aus einem Koranvers beschreibt das Verständnis von Nation: „[…] Wir haben […] euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet […].“[iv] Aus diesem Vers leiten die Alperen Ocakları die Ablehnung von Trennungsgründen ab, die auf dem Prinzip des Volkes bzw. des Stammes basieren. Die Koexistenz der verschiedenen Völker und Stämme wird als Bereicherung betrachtet.
Die Souveränität gehöre nur Gott, dem Allmächtigen. Er besitze die absolute Weisheit, ein absolutes Wissen und einen absoluten Willen.
Der Halbmond sei über die Jahrhunderte hinweg ein Zeichen des Glaubens (iman) gegen den Unglauben (kufr) und ein Zeichen des Islam gegenüber dem Kreuz gewesen. Der Halbmond sei die Flagge all jener Menschen, die dem Koran folgen und damit das Symbol der Muslime.

BBP („Partei der Großen Einheit“)
Die BBP (Partei der Großen Einheit - Büyük Birlik Partisi) ist eine islamistisch-nationalistische politische Partei in der Türkei. Ihr derzeitiger Vorsitzender heißt Mustafa Destici. Die Partei ist im türkischen Parlament aktuell nicht vertreten.
Die BBP wurde 1992 durch einige Mitglieder der nationalistischen MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung - Milliyetci Hareket Partisi) unter Führung von Muhsin Yazicioğlu gegründet, weil innerparteiliche und ideologische Differenzen zur MHP bestanden. Yazicioğlu wurde zugleich zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei (BBP) gewählt. 1995 konnte die BBP in einem Wahlbündnis mit der konservativen Mutterlandspartei (ANAP) sieben Abgeordnete ins Parlament entsenden. 2006 traten prominente Mitglieder der MHP zur BBP über, als Grund wurden ideologische Differenzen angeführt. Um die in der Türkei herrschende 10%-Klausel zu umgehen, trat Muhsin Yazicioğlu bei den Parlamentswahlen 2007 als „unabhängiger“ Kandidat an und schaffte so den Einzug ins Parlament.
Bei den Ermittlungen zum Mord an den türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink, der im Jänner 2007 in Istanbul von einem jungen Mann erschossen wurde, konnten Kontakte von BBH- Politikern  aus Trabzon zum Attentäter nachgewiesen werden. Eine Verbindung zum Attentat bzw. Attentäter wurde allerdings von der Parteiführung dementiert. Ebenso konnten bei den Mördern der in den Jahren 2006 und 2007 in der Türkei ermordeten Christen ein Umfeld der BBP und ihrer Jugendorganisationen (Alperen Ocaklari) nachgewiesen werden. Ein Zusammenhang mit den Morden wurde von der Jugendorganisation allerdings bestritten.
Muhsin Yazıcıoğlu kam am 25. März 2009 bei einem  Hubschrauberabsturz ums Leben. Seine Anhänger gehen von einem Attentat aus und bezeichnen ihn als Märtyrer.
Das Parteisymbol der BBP ist eine Rose auf dem Halbmond. Der Halbmond symbolisiere das Licht in der Dunkelheit, er sei das nationale Symbol. Die Rose stehe für ihre Liebe zum und Toleranz gegenüber dem Volk und seinen Werten.

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Muhisin Yazicioglu ist der Gründer der BBP-Partei
 

Parteiprogramm
Wie die MHP bezeichnet sich auch die BBP als „Ülkücü Hareket“ (deutsch: Idealisten-Bewegung), die sich durch die Idealisierung der türkischen Nation, ihrer kulturellen Werte sowie der Betonung der islamischen Werte auszeichne. Die BBP charakterisiert sich besonders durch eine stärkere Betonung der islamischen Werte. Der Islam wird als konstitutives Element des (türkischen) Nationalismus propagiert.
Das Parteiprogramm der BBP ist strikt anti-westlich. Die Partei wirft der politischen Führungselite der Türkei vor, nicht die Zustimmung Gottes und des Volkes gesucht zu haben, sondern immer nur die Zustimmung des Westens. Die  Strukturen der politischen Parteien seien voneinander nicht verschieden und würden nur auf persönlichen Launen und Lügen aufbauen.
Die Partei definiert den Islam in ihrem Programm als die Religion, die den Menschen und der Nation, Seelenruhe, Frieden und Gerechtigkeit bringe. Der Islam sei eine Ehre und bilde die Grundprinzipien der Partei. Außerdem herrscht die Auffassung vor, dass nicht nur Muslime, sondern alle Menschen der vereinigenden Botschaften des Friedens und der Gerechtigkeit bedürfen. Ein Widerspruch zwischen den modernen demokratischen Werten und dem Islam wird verneint.
Die politischen Grundprinzipien der BBP sind laut Parteiprogramm der Glaube und die kulturellen Werte. Der Glaube wird als bestimmendes Element der muslimisch-türkischen Identität festgehalten. Diese Prinzipien würden der Nation - heute und auch in der Zukunft - dazu verhelfen jenen Platz einzunehmen, der ihr zustehe. Im Mittelpunkt des Nationalismus-Verständnisses steht die Ablehnung jeglicher Art von Separatismus, welcher auf dem Prinzip der Rasse beruht.
Der Laizismus wird laut Parteiprogramm als ein System betrachtet, welches die Grundlage für die Religions- und Gewissensfreiheit darstellt. Der Laizismus zeichne sich durch die Neutralität gegenüber allen Religionen und Glaubenssystemen aus. Ferner umfasse dieser die Rechte auf Ausübung des religiösen Glaubens, Praktizierung von religiösen Zeremonien, sowie die religiöse Erziehung bzw. Bildung/Schulung. Es ist davon auszugehen, dass die Haltung zum Laizismus der Unterordnung  unter die unter kemalistischer Herrschaft vorherrschenden Prinzipien geschuldet war und sich unter Erdoğans Herrschaft ändert.

Aktivitäten
Ziel des Vereins ist die Unterstützung der türkischen Migranten in Österreich. Der Verein befolgt das Ziel, dass die türkische Jugend und das türkische Volk im Ausland ihre angestammte Religion und Kultur nicht verlieren sollen. Der Verein hat einen eigenen Präsidenten für Bildung, der bemüht ist „unsere Jugend vor den schlechten Wegen zu schützten.
Türkischen Kindern und Jugendlichen soll Hilfe angeboten werden, um sich gut in der österreichischen Gesellschaft zurechtzufinden und sich optimal weiterbilden zu können. Dazu dienen sportliche und kulturelle Aktivitäten, religiöse Unterweisung und Nachhilfekurse.
In einer Art Mentoring-Programm kümmern sich die älteren Jugendlichen um ihre jüngeren Kollegen, machen Ausflüge, wandern, treiben Sport mit ihnen und erteilen Nachhilfeunterricht in den Fächern Englisch, Mathematik und Deutsch. Angeboten werden außerdem religiöses Wissen, Geschichte und Kultur für türkische Jugendliche. Das Alphabet wird den Kindern bereits im Kindergartenalter beigebracht, auch das koranische Alphabet. An den Wochenenden wird für Kinder Religionsunterricht angeboten, dabei wird auch auf soziales Verhalten wert gelegt: Was ist das richtige Verhalten gegenüber Eltern, wie verhält man sich als Kind in der Gemeinschaft. Den Unterricht erteilen Freiwillige, keine ausgebildeten Pädagogen oder Pädagoginnen.
Kindergruppen sind auf drei Altersstufen aufgeteilt: 5- 10 Jahre, 11 bis 13 Jahre, 13-18 Jahre.
An den Vormittagen wird religiöse Bildung speziell für Frauen angeboten. Auch Erziehungskurse für Frauen werden mehrmals im Jahr angeboten. Dort werden Frauen von Pädagoginnen darin unterrichtet, wie Kinder erzogen und ernährt werden sollten und welche Bildung Kinder benötigen.
Der Verein organisiert Hajj Pilgerreisen, muslimische Bestattungen und Überführungen von Toten in das Heimatland.

Zusammenarbeit
Nizam-i Alem Ocagi unterhält laut Aussagen des Obmanns gute Beziehungen zur Islamischen Föderation (Millî Görüş) und zur türkischen Religionsbehörde DIYANET.  Zur „Nizam-i Alem Ocagi“ in Österreich gehörten auch der Jugendverein für Integration der türkischen MigrantInnen Avusturya Alperen Ocagi in der Rechberggasse 1 in 1100 Wien und İslam Kültür ve Enformasyon Derneği Avusturya Jugendliche Kultur-Sport und Nizam-i Alem Ocagi in Braunau und Vakif Moschee in Wien..

Fehler?: 

Sollten Ihnen Fehler in unseren Berichten auffallen, schreiben Sie uns bitte an:
info@islam-landkarte.at

Adresse: 
Arbeitergasse 48
Ort: 
1050 Wien
Herkunft: 
Türkei
Dachverband: 
Nizam-i Alem
Gegründet: 
Freitag, Oktober 9, 1998
Moschee: 
Nizam-i Alem Camii
Verbindung ins Ausland: 
Türkei BBP
Ausrichtung: 
Nationalistisch und islamistisch
ZVR: 
505933243