Minhaj Kulturverein Österreich UL Qur'an cultural center

Location

Adresse: 
Toßgasse 4
Ort: 
1150 Wien
Bundesland: 
Wien
Tel: 
0699 140 62 526
Website: 
Herkunft: 
Pakistan
Gegründet: 
Freitag, Juli 6, 2007
Mitglieder: 
100
Moschee: 
Ja
Verbindung ins Ausland: 
Minhaj-ul-Quran International; Awam-e-Tahreek
Ausrichtung: 
Sufismus der Qadiriyya
ZVR: 
954992110

Geschichtlicher Hintergrund

Der Minhaj Kulturverein Österreich – UL Qur'an cultural center wurde am 6. Juli 2007 vereinsrechtlich registriert. Das UL Qur'an cultural center wurde 2010 gegründet, um die Philosophie des Islam nach der Lehre von Minhaj ul Quran, Lahore, zu etablieren und zu verbreiten.

Minhaj ul Qur‘an (=der Weg des Koran) ist eine in Pakistan registrierte Nicht-Regierungsorganisation (NGO). Sie wurde 1981 vom Islamwissenschaftler und Rechtsgelehrten Dr. Muhammad Tahir Ul Qadri (kanadisch-pakistanischer Staatsbürger, geboren 1951) ins Leben gerufen, der der Organisation noch heute vorsteht. Sie hat ihren Sitz in Lahore, Ableger in ca. 100 Ländern und nach eigenen Angaben rund 2 Millionen Anhänger. 1989 gründete Ul Qadri in Pakistan zusätzlich eine politische Partei, die Pakistan Awami Tehreek (PAT) (Volksbewegung Pakistans), die jedoch die letzten Wahlen (2013) boykottierte und deshalb heute keinen Sitz im Parlament hält.

Die Qadiriyya ist einer der ältesten islamischen mystischen Sufi-Orden und geht auf den persischen Mystiker Abd al-Qadir al-Gilani (1077–1166) zurück. Der Orden ist einer der weitverbreitetsten in der islamischen Welt. Heute finden sich Anhänger in arabischen Staaten, China, Indien, Pakistan, der Türkei, den Balkan-Staaten, sowie in Ost- und Westafrika. Die Qadiriyya befolgt streng einen gesetzestreuen Islam; der für Sufi-Orden typische Dhikr (Gottesgedenken) ist hier ein lauter Dhikr. Da es keine zentrale Führung gibt und jede Qadiriyya- Niederlassung ihre eigenen Interpretationen und Praktiken entwickelt, haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Unterzweige der Qadiriyya herausgebildet.

Ausrichtung

Minhaj ul Qur‘an ist dem Sufismus und der spirituellen Entwicklung verpflichtet und predigt religiöse Mäßigung, setzt sich nach eigenen Angaben für Menschenrechte, Frauenrechte, Friedensförderung, Bekämpfung von Extremismus  und für den interreligiösen Dialog ein. Eine Fatwa des Gründers verurteilt Selbstmordanschläge und die Ermordung Unschuldiger (http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/8544531.stm aufgerufen am 23.2.2017). Darin bezeichnet er Terroristen als Ungläubige und Feinde des Islam. Ziel von Minhaj ul Qur‘an ist es, die Umma zu einigen und den „wahren“ Islam zu verkünden. Muhammad Tahir ul-Qadri war  Richter am pakistanischen Schariagericht und glaubt an die sittliche und politische Überlegenheit des islamischen Gesetzes (Scharia). Demokratie und Menschenrechte, für die sich seine Organisation einzusetzen behauptet, werden als durch den Islam gewährleistet angesehen. Versuche, die Demokratie mit den Schariabestimmungen zu vereinbaren, scheiterten jedoch immer wieder in der Alltagswirklichkeit Pakistans.

Minhaj-ul-Qur‘an hat eine stark karitative Ausrichtung, die Stiftung Minhaj Welfare Foundation kümmert sich um Bedürftige in Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Bosnien  Herzegowina, Kaschmir, Iran, Indien, der Republik Kosovo und Palästina und realisierte in Pakistan ein flächendeckendes Bildungsprojekt, welches eine Universität, 40 Fachhochschulen und 572 andere Schulen umfasst. Gegenwärtig arbeitet Minhaj-ul-Quran in Pakistan an einem Projekt für Waisenkinder, welches 500 Kindern Platz bieten und für deren schulische und berufliche Ausbildung  sorgen soll.

Aktuelle Aktivitäten

Minhaj-ul-Qur‘an Wien verfügt über einen Gebetsraum für 200 Männer und 70 Frauen. Der Verein folgt dem sunnitischen, mystischen Islam in der Tradition der Qadiriyya, aber es frequentieren auch Muslime ohne Sufi-Bezug den Gebetsraum. Die meisten der rund 100 Mitglieder haben einen pakistanischen Familienhintergrund.

Laut eigenen Angaben verfügt der Verein über keinen qualifizierten Vollzeit-Imam, jedoch predigen die drei Gründer der Wien-Niederlassung als Laienprediger ehrenamtlich. Zeitweise leiten auch Gastprediger aus anderen europäischen Minhaj-ul-Qur‘an Niederlassungen das Gebet. Generell werden jeden Sonntag und Freitag Gottesdienste praktiziert, wobei der Sonntag dem sufischen lauten Dhikr (Gottesgedenken) und der Freitag dem klassischen muslimischen Freitagsgebet ohne Sufi-Bezug vorbehalten ist. Durchschnittlich besuchen rund 50 Personen die jeweiligen Gottesdienste, wobei der Anteil der Frauen sehr gering ist. Von den drei Predigern spricht laut Minhaj-ul-Qur‘an nur einer gut Deutsch. Die Gottesdienste werden vorwiegend auf Urdu gehalten, wobei geplant ist, in Zukunft Auszüge der Predigten auf Deutsch zu übersetzen und auf die Homepage des Vereins zu stellen.

Einmal im Jahr, zum Geburtstag Mohammeds, organisiert Minhaj ul Qur‘an eine „Milad-Konferenz“ zusammen mit dem historischen "Milad Peace March". Zu dieser Festivität werden Persönlichkeiten aus der islamischen Community geladen.

Der Verein bietet an/veranstaltet:

  • Deutschkurse auf dem Niveau A-1 zur besseren Integration.
  • Eheschließungen nach islamischem Ritus.
  • islamische Beerdigungen.
  • die Gebetseinheiten des Tarāwīh während des Ramadan.
  • wöchentlicher Religionsunterricht für Kinder und Erwachsene, Koranlesekurse für Kinder.
  • Eine Bibliothek mit Büchern, die sich mit dem Islam befassen und mehrheitlich vom Minhaj-ul-Qur‘an Gründer Muhammad Tahir ul-Qadri verfasst wurden.
  • jährliche Verlosung von Tickets für die Pilgerfahrt nach Mekka.
  • Veranstaltungen, zu denen Menschen anderer Religionen und offizielle Vertreter/innen der österreichischen Regierung geladen werden.
  • Unterstützung bei der Geschäftsgründung und Behördenangelegenheiten.

Der Verein hat sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, Essen und Kleidung verteilt und nach eigenen Angaben Flüchtlinge mit den Gepflogenheiten Österreichs vertraut gemacht.

Zusammenarbeit

Die Jugendorganisation der Minhaj ul Qur‘an (Minhaj Youth League (MYL)) arbeitet unter anderem mit der Muslimischen Jugend Österreichs (MJÖ) zusammen.

Religiöse Verbindung nach Pakistan: Minhaj-ul-Qur‘an International (MQI).

Politische Verbindung zur oben erwähnten Partei Awam-e-Tahreek (Volksbewegung Pakistans).

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