König-Abdullah-Bin-Abdulaziz-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID)

Location

Adresse: 
Schottenring 21
Ort: 
1010 Wien
Bundesland: 
Wien
Tel: 
01 31322-0
E-Mail: 
Office@kaiciid.org
Website: 
Herkunft: 
Internationale Organisation
Gegründet: 
Montag, November 26, 2012
Verbindung ins Ausland: 
Internationale Organisation

Geschichtlicher Hintergrund

Das König-Abdullah-Bin-Abdulaziz-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) wurde Ende November 2012 vor  internationalem Publikum mit einer Veranstaltung in der Wiener Hofburg eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Das Zentrum geht auf eine Initiative Saudi Arabiens zurück, das in Europa ein Dialogzentrum gründen wollte. Als Partner konnten die Republik Österreich, Spanien und der Vatikan gewonnen werden. Saudi Arabien hat insgesamt 13,4 Millionen Euro in den Ankauf des Palais Sturany am Schottenring 21 investiert, in dem das Zentrum untergebracht ist. Dieses wurde auch in den ersten drei Jahren vorwiegend durch eine saudi-arabische Stiftung finanziert. Die Republik Österreich wiederum verzichtete auf die Umsatz- und die Grunderwerbssteuer beim Ankauf und befreite das Zentrum dauerhaft von der jährlichen Grundsteuer. Ziel des Zentrums ist es nach eigenen Angaben, den interreligiösen und interkulturellen Dialog auf internationaler Ebene zu fördern und dem Missbrauch der Religion zur Rechtfertigung für Unterdrückung, Gewalt und Konflikten entgegen zu wirken.

Das Zentrum wurde als internationale Organisation errichtet und besitzt Rechtspersönlichkeit nach Völkerrecht. Ein Direktorium, welches aus mindestens drei muslimischen, drei christlichen und jeweils einem jüdischen, einem buddhistischen und einem hinduistischen Mitglied besteht, soll die inhaltlichen Agenden bestimmen. Geleitet wird das Zentrum vom ehemaligen saudischen Vize-Bildungsminister Faisal Bin Abdulrahman Bin Mu’ammar.

Während Kritiker das König-Abdullah-Bin-Abdulaziz-Zentrum für ein Feigenblatt für die restriktive Religionspolitik Saudi-Arabiens Nicht-Muslimen gegenüber halten, hoffen Befürworter, dass es Ausgangspunkt für eine Öffnung und Liberalisierung Saudi-Arabiens ist und zu einer Förderung des interreligiösen Dialogs auf internationaler Ebene führt.

Kritiker sahen sich bestätigt, als das Wiener König Abdullah Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) am 9. September 2015 in einer Presseaussendung die Gründung des Muslim-Jewish-Leadership Council (MJLC) unter seinem Dach verkündete. Bemerkenswert ist, dass das KAICIID  die Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden in Gestalt der Konferenz der Europäischen Rabbiner sucht und auf diesem Weg Organisationen des legalistischen Islamismus die Tür öffnet. Ein Gründungsmitglied des Muslim-Jewish-Leadership Council ist Ibrahim el-Zayat, der  nach einem Urteil des OLG München offiziell als Funktionär der Muslimbruderschaft bezeichnet werden darf (Az.: 18 U 5181/05).[i] Das lässt auf Widersprüche innerhalb der saudischen Politik schließen, denn in Saudi Arabien selbst ist die Muslimbruderschaft eine verbotene Organisation.

 

 

Bisherige Aktivitäten

Seit November 2014 wurden im Rahmen des KAICIID mehrere internationale Konferenzen abgehalten. Eine Auswahl:

 

  • 23. Mai 2013: „Das Bild des Anderen“. „Bei dem Treffen tauschte man sich über bewährte Verfahren in der interreligiösen und interkulturellen Bildung aus. Dabei gab es auch Diskussionsrunden und eine Podiumspräsentation zum Thema „Das Bild des Anderen – Wie es im europäischen Mittelmeerraum gelebt wird“.[ii]
  •  
  • 16. Februar 2014: „Peace Mapping“. Ziel des Projekts „Peace Mapping“ ist die Zusammenstellung einer Datenbank zum Thema interreligiöser Dialog: „Das Projekt ‚Peace Mapping‘ ist Bestandteil der Bemühungen von KAICIID um einen Kompetenzaufbau bei Organisationen, die im interreligiösen und interkulturellen Dialog tätig sind, und dient dem Ziel einer wissenschaftlichen Analyse dialogbasierter Maßnahmen weltweit.“
  •  
  • 10.-12. November 2014: „Dialogue beyond Dialogue“: „Die Konferenz war eine Reaktion auf das wachsende Interesse am interreligiösen Dialog als wissenschaftlicher Forschungsbereich und als praktisches Werkzeug für die Friedensstiftung.“[iii]
  •  
  • 19. November 2014: "United against Violence in the Name of Religion", eine Konferenz mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften aus dem Irak, Syrien und dem Nahen Osten, auf der jede Gewalt im Namen der Religion verurteilt sowie die internationale Gemeinschaft zum Schutz der religiösen und kulturellen Diversität im Irak und in Syrien aufgerufen wurde.
  •  

Daneben werden auf der Website des Zentrums eine ganze Menge Aktivitäten aufgelistet, an denen das KAICIID beteiligt ist oder in die Mitglieder des KAICIID involviert sind, von einem Programm zur multireligiösen Zusammenarbeit in Uganda[iv], über einen Workshop für christliche und muslimische Frauen in Nigeria[v] bis hin zu Gesprächen gegen Hassreden in der Zentralafrikanischen Republik.[vi] Zudem werden hochrangige Persönlichkeiten aufgelistet, die das KAICIID besucht haben oder die gemeinsam mit Mitgliedern des Direktoriums an Veranstaltungen teilnahmen, etwa Altbundespräsident Heinz Fischer, Dr. Amal Al Qubaisi (Präsidentin des Parlaments der Vereinigten Arabischen Emirate), Kardinal Schönborn, der saudische Außenminister Adel Al-Jubeir, der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo.

Im internationalen Dialog ist entscheidend, dass die TeilnehmerInnen über Stärken und Schwächen der DialogpartnerInnen sprechen und sich den Herausforderungen der internationalen Debatten stellen. Es ist umso bemerkenswerter, dass das KAICIID zwar Unterdrückung und Gewalt im Namen des Islam verurteilt, sich aber bis heute weigert, Stellung zur Verurteilung und Auspeitschung des saudischen Bloggers Raif Badawi zu beziehen, der in Saudi Arabien wegen „Beleidigung des Islam“ zu 10 Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde.

Trotz all der Fülle an Veranstaltungen, Konferenzen, Programmen und Gesprächen, die auf der Website des KAICIID aufgelistet werden, sind kaum zielführende Ansätze für einen offenen internationalen Dialog sichtbar und vor allem keine Forschungen zu den vielen auf der Seite beschriebenen regionalen Aktivitäten erkennbar.

 

 

Aktuelle Aktivitäten

Über verschieden Plattformen und Programme und durch Konferenzen und andere Veranstaltungen soll der interreligiöse Dialog gefördert werden. Zudem werden friedensstiftende Programme auf Basis eines interreligiösen Dialogs für Konfliktherde in aller Welt entwickelt. Zurzeit etwa für Nigeria und die Zentralafrikanische Republik. Allerdings ist aus den Beschreibungen auf der Website des Zentrums nicht erkennbar, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage diese Programme durchgeführt werden, noch wie sie genau aussehen und funktionieren sollen.

Zusammenarbeit

Als internationale Organisation ist das KAICIID in vielen Ländern aktiv. Enge Zusammenarbeit besteht nach eigenen Angaben mit den drei Gründerstaaten Saudi Arabien, Österreich und Spanien.

Fehler?: 

Sollten Ihnen Fehler in unseren Berichten auffallen, schreiben Sie uns bitte an:
info@islam-landkarte.at