Islamisches Zentrum Noor

Location

Adresse: 
Währinger Gürtel 57
Ort: 
1180 Wien
Bundesland: 
Wien
Tel: 
0699/11112941
Herkunft: 
Pakistan
Gegründet: 
Freitag, Februar 27, 2009
Moschee: 
Ja, z.Z. kein ständiger Imam
Verbindung ins Ausland: 
Politisch: Pakistan Muslim League, religiös: Pir M.Karam, Shah Al-Azhri
Ausrichtung: 
orthodox sunnitisch, streng hanafitisch
ZVR: 
372219115

Geschichtlicher Hintergrund

Das Islamische Zentrum Noor wurde am 27.02.2009 vereinsrechtlich eingetragen. Es folgt, wie auch die Islamische Kulturvereinigung Mazjed Al-Madina, der Lehre des Muhammad Karam Shah al-Azhari, einem angesehenen und berühmten Scheich des Chishtiyya Sufi-Orden (Tariqa), bzw. der Chishti Nizami Bruderschaft und den Rechtsgelehrten, der Barelwī-Bewegung zugerechnet wird.

Chishtiyya Sufi-Orden (Tariqa)

 

Der Stammorden der Chishti Nizami Bruderschaft ist der Chishtiyya Sufi-Orden und stammt ursprünglich aus dem indischen Raum. Die Chishtiyya wurde von Abu Ishaq Shami (gest. 940), einem sufischen Syrer, der sich in Chisht, nahe Herat in Afghanistan niedergelassen hatte, gegründet. Der bekannteste Vertreter des Ordens, Khawadja Muin al-Din Chishti, erreicht im Jahr 1193 Indien und spielte eine wichtige Rolle bei der die Islamisierung des Landes, vor allem in den mittleren und südlichen Landesteilen. Viele Hindus - vor allem aus den niederen Kasten - oder Kastenlose waren beeindruckt von der fehlenden Hierarchie unter den Schülern des Chishtiyya Ordens. Bei der Chishtiyya gelten die Begriffe „Liebe“, „Toleranz“ und „Offenheit“ als Schlüsselworte der Lehre. Im Gegensatz zu anderen Sufi-Orden waren Anhänger der Chishtiyya nicht daran interessiert, Kontakt zu Herrschern oder Regierungen zu haben, da sie die Beschäftigung mit weltlichen Anliegen als hinderlich für den spirituellen Fortschritt ansahen; Chishtis waren daher auch nie Staatsbeamte. Muinuddin Chishti (1141-1230), ein islamischer Mystiker und der bekannteste Sheikh des Chishtiyya Ordens, hatte die Lehre der Chishtiyya in drei Prinzipien zusammengefasst. Demnach sollte ein Sufi Großmut wie die des Ozeans, Milde wie die der Sonne und Bescheidenheit wie die der Erde besitzen. Die Chishti Nizami Bruderschaft hat sich unter Muhammad Nizamuddin Auliya (1238 - 1325) vom Hauptzweig der Chishtiyya abgespalten.

Barelwī-Bewegung

 

Die Barelwī-Bewegung ist eine orthodox-sunnitische Bewegung des Islams in Südasien, die sich im späten 19. Jahrhundert unter dem paschtunischen Hanafī-Qādirī-Gelehrten und Anführer Ahmed Raza Khan (1856–1921) auf dem indischen Subkontinent formierte. Ihr Name rührt von der nordindischen Stadt Bareilly her, von der die Bewegung ausging. Sie sind strenge Anhänger der hanafitischen Rechtsschule.

Die Barelwī-Bewegung ist in über 50 Staaten in aller Welt aktiv.

Ausrichtung

Die Barelwī-Bewegung bezeichnet sich selbst als Ahl-e Sunnat wa Jama'at und verfolgt eine Ausrichtung des eigenen Lebens nach den Vorgaben des Propheten. Wichtige Quellen sind deshalb der Koran und die Hadithliteratur. Hinzu kommen die Fatwa-Sammlungen von Ahmed Raza Khan (1856-1921).
Sie stützt sich stark auf den Sufismus und Glaubensformen des Volksislam und steht in Opposition zur puristischen und islamistischen Deobandi-Bewegung, der zweiten einflussreichen muslimischen Gruppierung in Südasien. Anders als die Deobandis mit ihren Madrasas stützt sie sich mehr auf Pirs (Volksheilige) und deren Dargahs (Rückzugsort/Zentrum einer Sufi-Bruderschaft).

Ähnlich wie die Deobandis fordert die Barelwī-Bewegung eine Segregation der islamischen Gemeinschaft von ihrer Umwelt und propagiert ein Leben gemäß den Regeln der Scharia, um die islamische Gemeinschaft wieder zu stärken. Dabei wird Mohammed quasi göttlich verehrt, er bildet das zentrale Moment der Identifikation der Gruppe. Mohammed wird als nuri bashar beschrieben, ein Mensch (bashar), der aus Gottes Licht (nur) erschaffen sei und nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Licht bestehe. Insgesamt werden Mohammed göttliche Eigenschaften zugeschrieben: hazir (er hält sich an mehreren Orten gleichzeitig auf), nazir (er ist Zeuge von allem, was auf der Welt geschieht), ilm-e-Ghaib (er weiß um das Verborgene, um die Zukunft), mukhtaar kul (er hat die Macht zu tun, was er will), habib (er wird von Gott geliebt). Darauf aufbauend wird strikter Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen gefordert, die in der Scharia zusammengefasst seien. Die Barelwī-Bewegung feiert den Geburtstag des Propheten als zentrales Fest.

Aufgrund dieser quasi-Vergöttlichung Mohammeds und die Gepflogenheit, Fürbitten von ihm zu erbitten. steht die Barelwī-Bewegung in strikter Opposition zu den Deobandis. Diese werfen ihr vor, den Tatbestand des Schirk (die „Beigesellung“ anderer Götter neben Gott, also Polytheismus, Götzendienst)  zu erfüllen. Im Gegenzug hat der Barelwī-Führer Ahmed Raza Khan bereits im Jahr 1900 die Deobandis zu Ungläubigen erklärt.

Die Barelwī-Bewegung steht aufgrund der oben genannten Auffassungen auch in Gegnerschaft zu Salafisten und Wahhabiten.

Aktuelle Aktivitäten

Der Moscheeverein bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit der Heirat nach islamischem Ritus und Begräbnisservice mit Zugang zu einem islamischen Friedhof.
Für Kinder werden ein wöchentlicher Religionsunterricht, sowie weitere Aktivitäten (Seminare und Konferenzen) angeboten.
Während des Ramadan werden die täglichen Tarāwīh Gebete in der Moschee abgehalten.
Ständiger Moscheebetrieb.

Zusammenarbeit

Der Moscheeverein ist, wie auch der Verein Islamische Kulturvereinigung Mazjed Al-Madina, mit der Pakistan Muslim League verbunden. Deren aktueller Führer, Shaykh/Pir  Amin ul Hasnat wurde bei der letzten Wahl 2013 zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und ist aktuell Minister für staatliche religiöse Angelegenheiten und interreligiöse Harmonie.
Er hat dem Verein in Österreich bereits dreimal einen Besuch abgestattet.

Fehler?: 

Sollten Ihnen Fehler in unseren Berichten auffallen, schreiben Sie uns bitte an:
info@islam-landkarte.at