Islamisches Kulturzentrum Salzburg

Location

Adresse: 
Röcklbrunnstraße 13
Ort: 
5020 Salzburg
Bundesland: 
Salzburg
E-Mail: 
office@uikz.org
Website: 
Herkunft: 
Türkei
Dachverband: 
UIKZ
Gegründet: 
Dienstag, Dezember 27, 2005
Mitglieder: 
200
Moschee: 
Ja
Verbindung ins Ausland: 
Türkei Süleymancılar
Ausrichtung: 
sunnitisch sufische Laienbewegung
Kultusgemeinde: 
Vereinigung Islamischer Kulturzentren
ZVR: 
909634571

Der Verein

Das Islamisches Kulturzentrum Salzburg ist Teil der Kultusgemeinde der Union islamischer Kulturzentren, die ihren Sitz an der gleichen Adresse hat. Der Verein wurde im Februar 2012 gegründet.

Die Kultusgemeinden

Nach Inkrafttreten des neuen Islamgesetzes im Jahr 2015 organisierte sich die UIKZ mit ihren 50 Moscheevereinen in insgesamt 5 Kultusgemeinden zu je 10 Vereinen innerhalb der IGGiÖ:

 

Diese Struktur ist allerdings in erster Linie den Vorgaben des Islamgesetzes von 2015 und der in diesem vorgeschriebenen Struktur der IGGiÖ geschuldet. Stimmberechtigt innerhalb der IGGiÖ sind gemäß Islamgesetz die einzelnen Kultusgemeinden, zudem hat jede Kultusgemeinde das Recht, eine/n Vertreter/in in den Schura-Rat zu entsenden (Art. 8, Abs. 3 der Verfassung der IGGiÖ) und muss mit zumindest einer/m Vertreter/in im Obersten Rat der IGGÖ vertreten sein (Art. 9, Abs. 3), wobei festzustellen ist, dass derzeit kein Vertreter der UIKZ im Obersten Rat sitzt.

Auf die tatsächliche Struktur der Union Islamischer Kulturzentren haben die Kultusgemeinden keine Auswirkung. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Zusammensetzung der fünf Kultusgemeinden der UIKZ. So finden sich in der KG „Union Islamischer Kulturzentren“ neben Wiener UIKZ-Vereinen auch ein Verein aus Feldbach in der Steiermark.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Union Islamischer Kulturzentren UIKZ wurde 1980 gegründet und stellt neben ATIB (Avrupa Türk-İslam Birliği, Ableger der türkischen Religionsbehörde DIYANET) und der Islamischen Föderation IF den wichtigsten türkisch islamischen Dachverband Österreichs dar. Die Zentrale für Österreich befindet sich in der Pelzgasse 9 in 1150 Wien.

Die UIKZ ist der Dachverband der sufischen Süleymancilar-Bewegung. In den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten tritt diese Organisation unter der Bezeichnung Vereinigung Islamischer Kulturzentren (VIKZ) auf, die bereits 1972 gegründet worden war. Aktuell vereinigen sich jedoch sämtliche 50 registrierten Moscheegemeinden unter der Bezeichnung UIKZ. Sie alle werden von der Zentrale in Wien verwaltet.

Süleymancilar

Der Name „Süleymancilar“ wird vom Gründungsvater des Ordens, dem Prediger Süleyman Hilmi Tunahan, abgeleitet, der diese Bewegung nach Abspaltung vom (ebenfalls sufischen) Naqschbandi-Orden in den 1930er Jahren ins Leben rief. Süleymancilar ist allerdings eine Fremdbezeichnung, die von den Mitgliedern der Organisation als abwertend abgelehnt wird. Sie selbst bezeichnen sich einfach als Cemaati (Gemeinschaft).Süleymanci-Führer_0.png

Von Beginn an verstand sich die Bewegung als Gegengewicht zum säkularisierten Bildungssystem der Türkei. Unter Berufung auf den Laizismus hatte der türkische Staat den Religionsunterricht an staatlichen Schulen 1924 abgeschafft. Als Reaktion darauf gründete Tunahan Koranschulen und Studentenheime, um das Wissen über den Koran zu verbreiten. Das ist bis heute ebenso Ziel der Bewegung wie die strikte formale Befolgung der Sunna und ein Leben, das sich an die Regeln der Scharia hält.

Nach Schätzungen (genaue Zahlen liegen nicht vor) existieren in der Türkei über 3000 Koran-Internate und Studentenheime der Bewegung, so dass man davon ausgehen muss, dass die Süleymancilar flächendeckend in der gesamten Türkei vertreten sind. Eine besonders hohe Konzentration findet sich in  Universitätsstädten, wo versucht wird, auch bedürftige Studenten über diese Einrichtungen anzuwerben. Diese Rekrutierungsarbeit ist allerdings in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden, da der Sohn des türkischen Präsidenten mit seinem Verein TÜRGEV (Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet Vakfı, dt.: Türkische Stiftung für Jugend- und Bildungsservice) Studierenden ein weitaus attraktiveres Angebote macht und damit in ernsthafte Konkurrenz zu den Süleymancilar getreten ist.

Neben diesen Aktivitäten verfügt die Organisation auch über zahlreiche Kindergärten sowie private Schulen, die durch Spenden von Sympathisanten  getragen werden. In den letzten Jahren bietet die Organisation unter dem Namen “Hizmet Turizm” oder “Mizaç Turizm” zudem Reiseveranstaltungen an und errichtet Krankenhäuser, wie etwa das Hisar Intercontintal Hospital oder das Sur Hospital in Istanbul.

Eine weitere Aktivität der Organisation ist in ihrer Verlagstätigkeit zu sehen. Das Fazilet Verlagshaus oder das Osmanli- und das Çamlıca Verlagshaus sind die bekanntesten drei Betriebe in diesem Bereich. Die Zeitschriften, Yedi Kıta Dergisi, Çamlıca Kinderzeitschrift und Insan ve Hayat Dergisi (Mensch und Leben) gehören zu den Veröffentlichungen der Süleymanci Bewegung. Zudem betreibt sie eine Lebensmittelkette (Arden Hipermarketleri).

Die Ideologie der Süleymancilar setzt sich aus traditionellem Islam und türkischem Nationalismus zusammen. Die Süleymancilar lehnen das laizistische System der Türkei ab, gelten aber nicht wirklich als staatskritisch, sondern unterhalten gute Beziehungen zur staatlichen Verwaltung und zu diversen politischen Parteien.

Die Migration ins europäische Ausland eröffnete die rechtlichen Freiräume, die es den Süleymancılar erlaubten, ihre mystisch geprägte Form des Islam öffentlich zu leben und zu lehren. Die Süleymancılar bieten eine klassische theologische Ausbildung an. Diese steht sowohl Männer als auch Frauen offen,  findet jedoch strikt nach Geschlechtern getrennt statt.

AKP und Süleymanci Bewegung

Die Bewegung verfolgte stets auch politische Ziele. Führende Persönlichkeiten der Süleymancı Bewegung waren und sind Teil der türkischen Politik und kandidierten für verschiedene Parteien: Kemal Kacar, bis zu seinem Tod im Jahre 2000 geistiger Führer der Süleymancı Bewegung, war 1969 für die Stadt Kütahya und von 1977-1980 für Istanbul Abgeordneter der Gerechtigkeitspartei (AP) Süleyman Demirels im türkischen Parlament. Sein Nachfolger Arif Ahmet Denizolgun, ist intensiv in die aktuelle türkische Politik der AKP involviert und stellte für  kurze Zeit den Verkehrsminister. Sein Bruder Mehmet Denizolgun war bis 2011 Abgeordneter der  AKP. Die Süleymancilar treten immer wieder in strategische Verhandlungen mit unterschiedlichen türkischen Parteien, um die Interessen der Organisation zu vertreten.

Das Verhältnis zur AKP scheint derzeit etwas gespannt. Das könnte sich jedoch in naher Zukunft ändern. Die Vertreibung von Gülen-Anhängern aus staatlichen Stellen könnte der Süleymancilar Bewegung die Chance eröffnen, ihr Verhältnis zur AKP zu verbessern und eigene Mitglieder im Staatsapparat unterzubringen.

Seit dem Tod von Ahmet Arif Denizolgun im Jahre 2016 ist Alihan Kuriş die neue charismatische Führungspersönlichkeit der Bewegung. Die Mitglieder der Bewegung sind verpflichtet, ihm Gehorsam zu leisten und seinen Anweisungen zu folgen. Diese Gehorsamspflicht gilt als höchstes und wichtigstes Prinzip der Organisation. Die rechtliche Organisationsform der Süleymancilar dient nur repräsentativen Zwecken in der Öffentlichkeit.

Süleymancilar in Europa

In den letzten Jahren ist eine gewisse Öffnung der Organisation zu beobachten, so werden ihre Imame zum Beispiel vermehrt in Europa ausgebildet und Teile der Freitagspredigt werden auf Deutsch gehalten. Auf ihrer österreichischen Website ist sogar eine eigene Rubrik zur Veröffentlichung von Freitagspredigten in deutscher Sprache eingerichtet worden, die allerdings bislang nur einen Eintrag enthält.[1]

In den Schriften und Predigten der UIKZ werden zwar immer wieder der interkulturelle Dialog und die Integration erwähnt, tatsächlich wird diesen Themen jedoch kein großer Stellenwert eingeräumt.

Neben dem Betreiben von Moscheen, der Organisierung von Pilgerfahrten und der Ausbildung von islamischen Theologen, stellen laut Angaben auf der eigenen Website die religiöse Bildungsarbeit und die Förderung des schulischen und beruflichen Werdegangs muslimischer Kinder und Jugendlicher einen Schwerpunkt in der operativen Arbeit der UIKZ dar. In diesem Zusammenhang bietet die Union Hortbetreuungen mit Hausaufgaben-, Nachhilfe-, Deutsch- und Computerkursen sowie Feriencamps an. Der Unterricht in den angebotenen Korankursen und Internaten folgt den traditionellen Unterrichtsmethoden von Süleyman Hilmi Tunahan (gest. 1959), wobei die Gehorsamkeit dem Lehrer gegenüber ausdrücklicher und unverrückbarer Bestandteil der theologischen Orientierung dieser Bewegung ist.

Die Imame der UIKZ werden entweder in einer privaten Koranschule der Bewegung oder an einem Imam Hatip Lisesi (Prediger- und Vorbeterschule) in der Türkei ausgebildet und von der Zentrale in Istanbul in die jeweiligen Ortsgemeinden der UIKZ entsandt. 1998 begann in der deutschen VIKZ eine vom Direktor der damals neu eröffneten Islamischen Akademie in Köln-Mülheim, Nurettin Akman, initiierte Reform. Teil dieser Reform sollten Öffnung und Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft sein. Frauen sollten in Zukunft eine bedeutendere Rolle in der Bewegung spielen. Dieser neue Kurs Akmans wurde im Jahre 2000 vom damals eingesetzten Süleymanci-Direktor und Enkel des Gründers Tunahan, Arif Ahmed Denizolgun, abrupt beendet.

In Österreich und Europa wird nach den gleichen Prinzipien wie in der Türkei gearbeitet. Zwar organisiert sich die Sülyemanci Bewegung in Österreich im Rahmen der gesetzlich geregelten Vereinsstrukturen und des Islamgesetzes, aber die Anweisungen, bis hin zur Wahl der Führungspersönlichkeiten, kommen aus Kreisen der türkischen Führung der Bewegung.

Ausrichtung

Die UIKZ folgen einer sehr konservativen sunnitisch hanafitischen Ausrichtung des Islam.

Aktuelle Aktivitäten

Die UIKZ arbeiten nach eigenen Angaben für die „religiösen Bedürfnisse“ in Österreich lebender Muslime und bieten Unterstützung in alltäglichen religiösen Fragen an Zu diesem Zweck stellen die einzelnen Vereine Räumlichkeiten für die täglichen Gebete, für Freitags- und Festgebete, sowie für Vorträge und Veranstaltungen zur Verfügung. Die diversen Vereinsräumlichkeiten können auch für private religiöse Feierlichkeiten  und Hochzeiten, Verlobungen und Beschneidungsfeste nach islamischem Ritus genutzt werden.

Die UIKZ, bzw. ihre Mitgliedsvereine organisieren Hadsch-Reisen (Pilgerfahrten nach Mekka), bieten Koran-Unterricht für Kinder und Jugendliche an und bilden selbst Imame und weibliche Hodschas für die eigene Organisation aus.

Für Kinder und Jugendliche wird zudem schulische Unterstützung angeboten, um zum Bildungserfolg beizutragen: Hausaufgaben-, Nachhilfe-, Deutsch- und Computerkurse. Außerdem betreiben die Süleymancilar in verschiedenen Städten Österreichs Internate und Koranschulen, so etwa ein Mädchenwohnheim in Kematen an der Ybbs und ein Jungenwohnheim in Steyr.[2]

Ein weiteres Angebot der Union an ihre Mitglieder ist die Unterstützung bei Tod und Bestattung. Den Hinterbliebenen wird  Beistand geleistet und ein eigener Bestattungsfond kümmert sich bei Bedarf um die Überführung der Verstorbenen in die Herkunftsländer und eine den religiösen Riten entsprechende Bestattung.

Zusammenarbeit

Die UIKZ sind in fünf Kultusgemeinden innerhalb der IGGÖ organisiert, das Verhältnis zur IGGÖ ist allerdings seit den letzten Wahlen angespannt. Mit ATIB und Milli Görüş (Nationale Sicht) gibt es eine vorsichtige Zusammenarbeit. Die UIKZ bemühen sich um gute Beziehungen zu den staatlichen Behörden.

Enge Verbindung  mit der Süleymancilar Bewegung in der Türkei.
 

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