Moscheeneinrichtung

Islamische Vereinigung in Österreich "Al-Hidaya Moschee"

Der Verein

Geschichtlicher Hintergrund

Der Verein Islamische Vereinigung Österreich Al-Hidaya Moschee wurde am 26.11.1987 unter anderem von den Brüdern Jamal[i] und Aiman Morad[ii] gegründet, die sich auch lange in führenden Positionen fanden. Der Verein, der mehr als "al- Hidaya-Moschee" bekann, war immer ein Teil der islamistischen Diskussionen in Österreich.

Jamal Morad gab gegenüber einem arabischen Fernsehsender offen zu, einer der „Führer der Muslimbruderschaft in Europa“ zu sein, und bestätigte auf Nachfrage eines Interviewers, dass er ein Kader der Muslimbruderschaft in Österreich sei. Vor der letzten Wahl war er Mitglied des Obersten Rates der IGGÖ. Jamal Morad war am Bau der Al-Hidaya Moschee (Praterstraße 52, 1020 Wien) beteiligt, die Teil der Österreichischen Islamischen Vereinigung und Mitglied der Kultusgemeinde multikultureller Moscheeeinrichtungen ist.

Nach der Trennung der beiden Vereine Liga Kultur und Islamische Vereinigung in Österreich übernahm Mohamed Ibrahim die Leitung der Al-Hidaya Moschee. Er ist gleichzeitig Imam der Moschee. Als Präsident vertritt Mohamed Ibrahim den Verein nach außen. Mohamed Khaled und Abdelrahman Fadl sind weitere Mitglieder der Moschee-Leitung.

Nach der Schließung der Kindergruppe „Iman“ in der Breitenseerstraße 36 im 14. Bezirk wurden die Räumlichkeiten in einen Gebetsraum verwandelt, dort finden regelmäßige Freitagsgebete statt. Ein Vorstandsmitglied des Vereins agiert dort als Imam.

Die Trennung der beiden Vereine ist weniger auf ideologische Differenzen als auf persönliche Machtinteressen zurückzuführen[iii]. Hierzu muss man jedoch auch anmerken, dass die wirtschaftlichen Interessen an den Kindergarten- und weiteren Gruppen des Vereins auch eine wichtige Rolle gespielt haben könnten, weil diese Einrichtungen eine interessante und lukrative Finanzquelle für die Aktivitäten des Vereins waren.

Ausrichtung
Die Islamische Vereinigung in Österreich ist mit der islamischen Liga Kultur einer der Vereine, von denen bekannt ist, dass sie Verbindungen zur Bewegung der „Muslimbruderschaft“ besitzen bzw. besessen haben. Auf der Facebook-Seite der Islamischen Vereinigung in Österreich findet man einen Beitrag, in dem der Verein seine Mitglieder bittet, am Totengebet für den Ex-Präsidenten Mohamed Mursi, eines der wichtigsten und mächtigsten Mitglieder in der Geschichte der Muslimbruderschaft, teilzunehmen.
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Die Moschee ruft ihre Mitglieder in Abwesenheit zum Totengebet für den verstorbenen Präsidenten Ägyptens Dr. Mohamed Mursi auf, einem Märtyrer ihrer Ideologie.

Nach vielen machtpolitischen Auseinandersetzungen, vor allem in Bezug auf den „Iman-Kindergarten“, wurde im Jahr 2014 die Verbindung zwischen der Islamischen Vereinigung Österreich und der islamischen Liga der Kultur getrennt. Nach diesen Auseinandersetzungen gab es keine Anzeichen einer Zusammenarbeit der Liga der Kultur mit oder einer Verbindung zu der Islamischen Vereinigung in Österreich.

Zusammenarbeit
Die Islamische Vereinigung in Österreich arbeitete sehr eng mit der Islamische Liga der Kultur zusammen, die offizielle Mitglieder der Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), dem europäischen Dachverband der Muslimbruderschaft in Europa, war (siehe mehr über Liga der Kultur).

Aktuelle Aktivitäten
Die Islamische Vereinigung Österreich besitzt ihre Moscheen in der Praterstraße 52 und Breitenseerstraße 36 in Wien. Die Moschee in der Praterstraße hat einen großen Bereich für die männlichen Besucher und Mitglieder sowie einen zweiten Stock, der nur über einen Durchgang durch den für die Männer reservierten Teil betreten werden kann. Die zweite Etage ist den weiblichen Mitgliedern der Moschee und ihren Kindern vorbehalten. Der Imam dieser Moschee ist zugleich auch der Obmann. Jede Woche findet samstags und sonntags Unterricht statt, in dem die arabische Sprache und der Qur’an gelehrt werden. Hierfür wird die Moschee in kleine Abteile aufgeteilt und es werden in verschiedenen Klassen unterschiedliche Altersgruppen unterrichtet. Das Lehrerteam in der Moschee arbeitet ausschließlich ehrenamtlich.

Neben einer wöchentlich stattfindenden Wochenendschule bietet der Verein auch eine Sommerschule.

Auf der Facebook-Seite des Vereins ist seit 2017 eine generelle Zurückhaltung in ihren Veröffentlichungen zu beobachten. Diese kann auf die Schließung der Kindergärten und einen wachsenden öffentlichen Druck zurückgeführt werden.

Den alten Eintragungen kann jedoch entnommen werden, dass auf der Facebook-Seite nur ein Teil der Aktivitäten des Vereins Erwähnung findet, so wird hier z. B. nur eine Predigt des Imams veröffentlicht. Es sind keine weiteren Eintragungen zur Freitagspredigt zu entnehmen.  

Ein Eintrag über eine Demonstration gegen Israel gibt einen weiteren Hinweis auf die politische Orientierung des Vereins.

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Ideologisch-theologische Ausrichtung der Moschee

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Muslimbruderschaft

Geschichtlicher Abriss

Die Muslimbruderschaft (arab. al-ichwān al-muslimūn) ist die bedeutendste und einflussreichste Bewegung des modernen sunnitischen Islamismus. Sie wurde 1928 von Ḥasan al-Bannā in Ägypten gegründet und breitete sich schnell in der islamischen Welt aus. Die tunesische Ennahda ist ebenso ein Ableger der Muslimbruderschaft wie die palästinensische Hamas, die Islamische Aktionsfront in Jordanien, die FIS in Algerien oder die Nationale Islamische Front im Sudan. Laut Aussagen von Ibrahim Munir, einem Führungsmitglied der ägyptischen Muslimbruderschaft und derzeitigem Generalsekretär der internationalen Organisation der Muslimbruderschaft, würde die Organisation darauf verzichten, in Ländern, in denen islamistische Organisationen existieren, deren Ziele mit jenen der Bruderschaft übereinstimmen, eine eigene Organisation aufzubauen, und stattdessen mit den bestehenden islamistischen Organisationen zusammenarbeiten[iv]. Das betrifft etwa die Jamaat-e-Islami in Pakistan oder Millî Görüş in der Türkei.

Nach mehreren Anschlägen wurde die Muslimbruderschaft im Jahr 1948 in Ägypten verboten. Der für das Verbot zuständige Premierminister Mahmoud an-Nukrashi Pascha fiel daraufhin im Dezember 1948 ebenfalls einem Anschlag zum Opfer. Kurze Zeit später, am 12. Februar 1949, wurde der Gründer und Führer der Bruderschaft, al-Bannā, in Kairo erschossen, was die Organisation in eine kurze Krise um die Nachfolge stürzte. Schließlich übernahm der Richter Hasan al-Hudaibi, der sich später gegen die von Sayyid Qutb betriebene weitere Radikalisierung der Muslimbruderschaft wandte, die Führung. Der Mörder al-Bannās konnte nie gefasst werden.

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Al-Banna Gründer der MB

In den 1950er Jahren begann die Muslimbruderschaft, sich international aufzustellen und auch in nichtislamischen Ländern Organisationen aufzubauen. Diese firmieren jedoch in der Regel nicht unter dem Label „Muslimbruderschaft“, sondern agieren unter verschiedenen Organisationsformen und Namen, meist ohne direkten Bezug zum Befehlszentrum der Bruderschaft. In Europa und Nordamerika lassen sich verschiedene Organisationen dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zurechnen. 

Als Auslöser dieser Entwicklung kann der Militärputsch der ägyptischen freien Offiziere unter der Führung von Gamal Abdel Nasser gelten. Im Jahr 1954 wurde die Muslimbruderschaft in Ägypten verboten, ihre Mitglieder wurden verfolgt und verhaftet, darunter auch der Vordenker der Bruderschaft, Sayyid Qutb. In der Folge wurden etliche Führungspersönlichkeiten hingerichtet. Teile der Organisation setzten sich nach Europa ab, wo sie politisches Asyl erhielten, darunter auch Said Ramadan, der Schwiegersohn von Hasan al-Bannā. Auf Ramadans Betreiben wurde 1957 in München die sogenannte Moscheebaukommission gegründet, aus der später die Islamische Gemeinschaft Deutschlands (IGD) hervorgehen sollte. Bereits 1961 wurde in der Schweiz, ebenfalls auf Initiative Said Ramadans, das Islamische Zentrum Genf fertiggestellt, die erste Moschee der Muslimbruderschaft außerhalb der islamischen Welt. Das Zentrum wird heute von Hani Ramadan, einem der beiden Söhne Said Ramadans, geleitet. Das Islamische Zentrum München wurde 1973 feierlich eröffnet. Es gehört heute dem Dachverband „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ an, dessen wichtigste Teilorganisation die Islamische Gemeinschaft Deutschlands ist. Die deutsch-islamische Schule in München, die bis zu ihrem Verbot unter der Leitung von Amena Shakir (damals el-Zayat) stand, wurde von der IGD betrieben.

Damit besaß die Muslimbruderschaft zwei Zentren in Europa, von denen ausgehend sie nach und nach ein ganzes Netzwerk von Organisationen über den Kontinent spannte (siehe weiter unten).

1982 wurde dann, wiederum in München, die Internationale Organisation der Muslimbruderschaft (IOM) ins Leben gerufen. Diese sollte die Aktivitäten der verschiedenen Teilorganisationen in aller Welt koordinieren. Treibende Kraft hinter dieser Gründung war Mustafa Maschhur, der 5. Oberste Führer der Bruderschaft. Der derzeitige Sitz der IOM befindet sich in London[v].

In den Jahren 2011 und 2012 gelang es der Muslimbruderschaft, als Partei „Demokratische Allianz für Ägypten“ sowohl die Parlaments- als auch die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Im Anschluss an die durch den Militärputsch von General Abd al-Fattah as-Sisi im Juli 2013 ausgelösten gewaltsamen Auseinandersetzungen wurde die Muslimbruderschaft verboten. Um der drohenden Verhaftung zu entgehen, setzten sich zahlreiche Mitglieder der Organisation in die Türkei, nach Qatar oder in westliche Staaten ab.

Die Muslimbruderschaft nach dem Militärputsch in Ägypten
Nach dem Militärputsch versuchten unterschiedliche Führungspersönlichkeiten mit geringem Erfolg die Organisation wiederzubeleben. 2019 starb der gewählte Präsident Muhammad Mursi im Gefängnis. Danach verstarben weitere hochrangige Mitglieder der MB im Gefängnis oder befinden sich weiterhin in Haft.

Nach diesen bitteren Erfahrungen in Ägypten und in anderen arabischen Staaten startete die MB eine Bildungsoffensive und verfolgte das Ziel, die Organisation zu rehabilitieren. Zurzeit gilt die Türkei als ein Zentrum für ihre Aktivitäten. Mithilfe unterschiedlicher Medien versucht die MB, ihre SympathisantInnen zu mobilisieren.

Europa gilt unter diesen Umständen als eine der letzten Hoffnungen für die Propaganda der MB.

Ihre Propaganda betrieb und betreibt die Muslimbruderschaft hauptsächlich durch ihr soziales Engagement. Die Gründung von Schulen, Moscheen, Krankenhäusern etc. dient der propagandistischen Verfolgung ihrer Ziele. Mit ihren Aktivitäten drang die Organisation rasch in immer mehr gesellschaftliche Sphären vor. Man kann demnach von einer Art Graswurzel-Revolution über eigene Sozialprojekte und Bildungseinrichtungen und der Unterwanderung zivilgesellschaftlicher und staatlicher Institutionen sprechen. Das macht die MB gefährlich und für Außenstehende oft schwer durchschaubar.

Die Muslimbruderschaft pflegt keine gewöhnliche Mitgliedschaft mit ihren Sympathisant*innen, es gibt keinen Ausweis, der die Mitgliedschaft dokumentiert und von den AnhängerInnen getragen wird. Aufgrund dieser Tatsache ist es schwierig, die Zugehörigkeit einer Person zu dieser Organisatin nachzuweisen.

Als Ziel der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten der Bruderschaft kann die Gründung eines Islamischen Staates nach Scharia-Prinzipien definiert werden.
 

Die Muslimbruderschaft in Europa
Wie bereits oben beschrieben, baute die Muslimbruderschaft ab den späten 1950er Jahren ein dichtes Netz von Organisationen in Europa und anderen Teilen der Welt auf. Nach dem Militärputsch in Ägypten im Jahre 2013 und dem damit einhergehenden Verbot der Bruderschaft in vielen islamischen Ländern gewannen die Aktivitäten der in Europa tätigen Organisationen stark an Bedeutung.

An dieser Stelle können nur die wichtigsten und größten Organisationen der Bruderschaft in Europa sowie jene, die auch einen Bezug zu Österreich aufweisen, genannt werden.
 

FIOE - Federation of Islamic Organisations in Europe
Die FIOE wurde 1989 gegründet und hat ihren Sitz in Markfield, Leicestershire, in Großbritannien – unter dem Dach der Islamic Foundation, einer Stiftung, die der islamistischen Jamaat-e-Islami nahesteht Sie gilt als Dachorganisation der Muslimbruderschaft in Europa. Dazu zählen etwa die Islamische Gemeinschaft in Deutschland[vi], die Muslim Association of Britain (MAB)[vii] oder die Liga Kultur [viii] in Österreich.

Auf Initiative der FIOE oder unter ihrer Mitwirkung wurde in den darauffolgenden Jahren eine ganze Reihe weiterer Organisationen und Institutionen in Europa gegründet:
 

IESH – Institut Européen des Sciences Humaines
Eine private islamische Hochschule zur Ausbildung von Imamen und ReligionslehrerInnen in der Nähe von Château-Chinon in Frankreich. Ähnliche Institute existieren auch in St. Denis bei Paris und in Highmead bei Llanybydder in Großbritannien. Neben der Imam- und Lehrerausbildung kann man sich an der IESH für ein 4-jähriges Scharia-Studium einschreiben. Alle Studiengänge können auch als Bachelor-Fernstudium absolviert werden.
Im wissenschaftlichen Rat sitzt auch Yussuf al-Qaradawi, der führende Ideologe der Muslimbruderschaft.[ix]
Millî Görüş entsendet ebenso Mitglieder zum Studium an die IEHS[x] wie die Muslimische Jugend in Deutschland oder die Islamische Gemeinschaft in Deutschland, wie Ibrahim el-Zayat, eine der Schlüsselfiguren der Muslimbruderschaft in Europa, gegenüber der Islamischen Zeitung betonte.[xi] Nach einer Untersuchung der Universität Zürich haben zwei von fünf in der Romandie unterrichtenden islamischen Religionslehrer einen Abschluss am IEHS gemacht.[xii]

Nach dem Vorbild der Europäischen Institute für Humanwissenschaften in Großbritannien (European Institute of Human Sciences, EIHS) und in Frankreich (Institut Européen des Sciences Humaines, IESH) etablierte sich das EIHW (Europäisches Institut für Humanwissenschaften) in Frankfurt a. M. und wird von muslimbruderschaftsnahen Vereinen unterstützt. Als Schulungsstätte dient das EIHW der Verbreitung der MB-Ideologie. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes in Hessen ist das EIHW eine Kaderschmiede der Muslimbruderschaft- und IGD (Islamische Glaubensgemeinschaft in Deutschland) -Funktionäre in Europa.[xiii]
 

ECFR – European Council for Fatwa and Research

Das ECFR wurde 1996 auf Initiative der FIOE vom aktuellen Vordenker der Muslimbruderschaft, Yussuf al-Qaradawi, gegründet und hat seinen Sitz in Dublin in Irland. Die Organisation widmet sich vor allem dem Erlass von Fatwas, die Muslim*inen ein Scharia-gemäßes Leben in Europa ermöglichen sollen.

Der derzeit amtierende Mufti der IGGÖ vertritt die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) im Europäischen Fatwarat ECFR.[xiv]
 

FEMYSO – Forum of European Muslim Youth and Student Organisations
Die FEMYSO wurde ebenfalls 1996 von der FIOE gemeinsam mit der WAMY (der in Riad, Saudi-Arabien, ansässigen World Assembly of Muslim Youth) gegründet. Ihren Sitz hat die FEMYSO in Brüssel. Erster Vorsitzender war der bereits erwähnte Ibrahim el-Zayat, der gleichzeitig dem Vorstand der FIOE angehörte. Mitglieder sind diverse islamische Jugendorganisationen, unter anderem aus Schweden (Sveriges Unga Muslimer, SUM), Deutschland (Muslimische Jugend in Deutschland, MJD), Frankreich (Jeunes Musulmans de France, JMF) oder Großbritannien (Young Muslim Organisation UK, YMOUK), aber auch die deutsche Sektion der Millî Görüş (IGMG).[xv] Zumindest zwischen 2003 und 2005 war auch die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ), wie sie selbst zugibt, Mitglied der FEMYSO. Danach schied sie laut eigenen Angaben wieder aus. Die Gründe für Mitgliedschaft und Ausscheiden sind bis heute unbekannt.[xvi]
 

Die Muslimbruderschaft in Österreich
In Österreich ist die Muslimbruderschaft – anders als andere islamistische Organisationen –  nicht namentlich vertreten, prägt aber aufgrund ihrer intellektuellen und personellen Stärke das öffentliche Bild des Islams ebenso wie die innerislamischen Diskurse. Zahlreiche Imame und Funktionäre diverser Organisationen, allen voran der Millî Görüş, die ihre Ausbildung in arabischen Ländern und/oder an der von der Muslimbruderschaft gegründeten IEHS in Frankreich absolviert haben, sorgen dafür, dass diese Organisationen unter dem kontinuierlichen Einfluss der Muslimbruderschaft stehen.

Die Anzahl der arabischen Moscheen in Österreich, die eng mit der Muslimbruderschaft zusammenarbeiten, wird auf fünf geschätzt. Hinzu kommen noch drei Moscheen, die der pakistanischen oder bengalischen Sektion der Jamaat-e-Islami nahestehen. Darüber hinaus arbeiten aber etliche Organisationen mehr oder weniger eng mit der Muslimbruderschaft zusammen oder werden von Funktionären aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft geleitet. Die Strukturen der Bruderschaft sind schwer zu durchschauen, was auch damit zusammenhängt, dass es innerhalb der Muslimbruderschaft verschiedene Kategorien von Unterstützern gibt, vom einfachen Sympathisanten bis zum Vollmitglied, das einen Eid abgeleistet hat.

Um Organisationen dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zurechnen zu können, ist die Forschung zumeist auf Indizienketten, basierend auf Partnerorganisationen und personellen Verflechtungen, angewiesen. Dadurch lassen sich einige Organisationen und Personen in Österreich dem Netzwerk zuordnen bzw. lässt sich eine ideologische Nähe feststellen. Über personelle Verflechtungen sind Vertreter der Muslimbruderschaft in diversen Vereinen und Organisationen tätig und üben dort, oft in führenden Positionen, ihren Einfluss aus. Das dürfte unter anderem auf die Kultusgemeinde der Multikulturellen Moscheeeinrichtungen, die Arabische und die Asiatische Kultusgemeinde (hier in Gestalt der Jamaat-e-Islami) zutreffen, aber auch einige zivilgesellschaftliche Organisationen sind von Muslimbrüdern infiltriert.

Referenzen

[i] Mohamed Jamal und Aiman Morad sind als Geschäftsmänner auch an vielen Immobilienfirmen beteiligt.
[ii] Aiman Morad ist auch ein ehrenamtlicher Imam im Afro-asiatischen Institut und war lange Jahre an der IRPA tätig.
[iii] Vollständige Stellungnahme in: https://iits.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/p_iits/Dateien/Abschlussbericht__Vorstudie_Islamische_Kindergarten_Wien_final.pdf, S. 146.
[iv] Julius Dihstelhoff, Ivesa Lübben, Die Internationale Organisation der Muslimbruderschaft und ihr Ableger in Deutschland, Schriftenreihe des Fachgebiets Politik am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps Universität Marburg, Februar 2016, S. 4.
[v] Ebd., S. 2.
[vi] Siehe Bayrisches Staatsministerium für Innern, Bau und Verkehr, Verfassungsschutzbericht 2014, S. 44, 45.
[vii]  Muslim Brotherhood Review: Main Findings, Ordered by the House of Commons to be printed 17 December 2015, unter Punkt 31: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/486932/Muslim_Brotherhood_Review_Main_Findings.pdf (abgerufen am  6.2.2017).
[viii] Auf ihrer Website nennt die Liga Kultur unter der Rubrik „Partner“ sowohl die FIOE als auch die MAB und die WAMY: https://www.ligakultur.at/partner (abgerufen am 6.2.2017).
[ix]  http://www.iesh.fr/index.php/home/fatwas-jurisprudence (abgerufen  am 6.2.2017).
[x] http://www.taz.de/1/archiv/?id=archiv&dig=2002/02/13/a0131 (abgerufen am 6.2.2017).[xi] http://www.islamische-zeitung.de/rolle-der-imame-umfassende-faehigkeiten/ (abgerufen am 6.2.2017).
[xii] http://www.raonline.ch/pages/edu/pdf8/SNF_Islam0709.pdf, S. 6. (abgerufen am 6.2.2017).
[xiii] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/Verfassungsschutzbericht%202018_0.pdf (abgerufen am 12.04.2021).
[xiv] http://www.verfassungsschutz.bayern.de/mam/anlagen/verfassungsschutzbericht_2011.pdf, S. 35.
[xv] http://www.femyso.org/about/members (abgerufen am 7.2.2017).
[xvi] https://www.nzz.ch/extremismus-praevention-im-schatten-der-muslimbruderschaft-ld.1295428?reduced=true (abgerufen am 20.04.2021).

 

 

Anmerkungen

Weiterführende Literatur zur Muslimbruderschaft

Fehler?: 

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info@islam-landkarte.at

Adresse: 
Praterstraße 52
Ort: 
1020 Wien
Herkunft: 
Arabisch
Gegründet: 
Donnerstag, November 26, 1987
Moschee: 
al-Hidaya Moschee
Verbindung ins Ausland: 
International
Ausrichtung: 
Islamistisch
Kultusgemeinde: 
Kultusgemeinde arabischer Moscheeeinrichtungen
ZVR: 
758753578