Friede-Institut für Dialog

Location

Adresse: 
Rotenturmstraße 1-3/3
Ort: 
1010 Wien
Bundesland: 
Wien
Tel: 
01 9580021
E-Mail: 
office@derfriede.at
Website: 
Herkunft: 
Türkei
Gegründet: 
Donnerstag, Oktober 10, 2002
Moschee: 
Nein
Verbindung ins Ausland: 
Hizmet-Bewegung, Gülen
Ausrichtung: 
Sunnitisch
ZVR: 
887587678

Geschichtlicher Hintergrund

Das Friede-Institut für Dialog wurde im Jahr 2002 gegründet und als Verein registriert. Ziel ist es laut Selbstdarstellung, durch Dialog einen Beitrag zu einem friedvollen Miteinander zu leisten: „Inspiriert von den Ideen des Gelehrten Gülen, strebt das Friede-Insitut an, die gemeinsame friedvolle Zukunft aktiv mitzugestalten, indem es die Partizipation der Menschen in der Gesellschaft fördert und die Menschen bezüglich des friedvollen Miteinanders sensibilisiert.“

In diesem Sinne setzt sich das Institut für den interreligiösen und interkulturellen Dialog ein.

Die Fethullah Gülen-Bewegung

Die Fethullah Gülen Bewegung, von ihren Anhängern als Hizmet-Bewegung (Hizmet=Dienst) oder auch Cemaat (= Gemeinde) bezeichnet, wurde vom Namensgeber Fethullah Gülen, einem muslimischen Prediger, in den späten 1960er Jahren in der Türkei gegründet und hat sich international etabliert. Grundgedanke der Bewegung ist die Symbiose zwischen säkularer Gesellschaft und traditionellen islamischen Werten. Inspiration und Vorbild für Gülens Arbeit war der kurdische Gelehrte Said Nursi, der Aspekte traditioneller Islamwissenschaft mit moderner Wissenschaft verband. Wie Nursi argumentiert Gülen, dass ein besseres Verständnis des Säkularen den religiösen Glauben stärke. Darüber hinaus ist Gülen der Ansicht, dass die Propagierung des Islam durch traditionelle religiöse Institutionen wie Moscheen und Madrasas (religiöse Schulen) in einer modernen Welt nicht zielführend sei. Daher propagiert Gülen ein Erziehungsprogramm, dessen Basis das Studium moderner, säkularer Unterrichtsgegenstände ist. dass von den Schülern freiwillig durch spirituelle und religiöse Unterrichtsgegenstände  ergänzt werden kann. Die Gülen Bewegung hat weltweit zahlreiche Schulen und Institute aufgebaut, welche durch großzügige finanzielle Zuwendungen türkischer Geschäftsleute finanziert werden.

Die Gülen Bewegung setzt nach eigenen Angaben auf Integration durch interkulturellen Dialog und Bildung. Kritiker werfen ihr jedoch vor, über ihr ausgebreitetes Schulnetzwerk in über 140 Ländern eine türkisch-islamische bis islamistische Ideologie zu verbreiten und durch ihren großen Einfluss auf Bildung und Erziehung in der Türkei das dortige säkulare Bildungssystem islamisieren zu wollen und mit  gut ausgebildeten Mitgliedern gezielt zivilgesellschaftliche und staatliche Strukturen zu infiltrieren.

Fethullah Gülen und seine Organisation war maßgeblich am Aufstieg Erdogans und der AKP in der Türkei beteiligt. Das Verhältnis zwischen Fethullah Gülen und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde jedoch in den letzten Jahren immer angespannter. Für den Putschversuch in der Türkei am 16. Juli 2016 machte Erdogan umgehend die Gülen-Bewegung verantwortlich. Seitdem werden Anhänger der Gülen Bewegung in der Türkei verfolgt, verhaftet und aus dem Staatsdienst verdrängt. Gleichzeitig fordert die Türkei von den USA die Auslieferung des Predigers Gülen, der dort im Exil lebt. Aber auch innerhalb türkischer Communities in Europa und vielen anderen Ländern hat eine Hetzjagd auf Gülen-Anhänger begonnen. Die türkische Regierung betrachtet die Gülen-Bewegung nun als terroristische Organisation. Mit Folgen: Ihre Finanzzentren, Zeitungen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in der Türkei wurden geschlossen bzw. verboten. Durch internationalen Druck versucht die türkische Regierung auch Gülen-Bildungseinrichtungen im Ausland verbieten zu lassen. Dadurch befinden sich viele dieser Einrichtungen derzeit in einer schweren finanziellen und personellen Krise. Einerseits erhalten sie keine Fördermittel oder Spenden mehr aus der Türkei, andererseits sind sie von Kündigungen von Lehrern betroffen, und Eltern, die dem Druck seitens der türkischen Community nicht standhalten, nehmen ihre Kinder von Gülen-Schulen und Einrichtungen. Dadurch können Mieten und Gehälter nicht mehr finanziert werden. Vor allem in Ländern mit starken türkischen Communities ist der Druck auf Gülen-Einrichtungen enorm, bis hin zu Drohungen und tätlichen Angriffen.

Ihren zuvor starken Einfluss auf türkisch-stämmige Menschen in Österreich hat die Gülen-Organisation verloren.

Aktuelle Aktivitäten

Das Institut bietet unter anderem Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen sowie Fortbildungsseminare für LehrerInnen an.

Zusammenarbeit

In Österreich gibt es neben dem Wiener Friede-Institut noch ein weiteres in Innsbruck¸ Maria-Theresienstr. 16. Zudem können das Yunus Emre Kulturzentrum in Innsbruck, das AKM Kulturzentrum für interkulturelle Aktivitäten (Anadolu Kültür Merkezi) in Wien, das Phönix- Realgymnasium, sowie eine gleichnamige Sprachschule in Wien und die Wochenzeitschrift „Zaman“ (mittlerweile eingestellt) der Gülen Bewegung zugerechnet werden, auch wenn die meisten davon sich nicht offen als Gülen-Einrichtungen deklarieren.

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info@islam-landkarte.at