Bosniakisch-Muslimischer Kultur- Sport- und Sozialverein "MSD"

Location

Adresse: 
Columbusgasse 78
Ort: 
1100 Wien
Bundesland: 
Wien
Tel: 
0676 4005118 01 9557343
E-Mail: 
muslimischersozialdienst@gmail.com
Website: 
Herkunft: 
Bosnien
Dachverband: 
IZBA
Gegründet: 
Samstag, September 15, 1962
Mitglieder: 
80
Moschee: 
Ja
Verbindung ins Ausland: 
Islamische Glaubensgemeinschaft Bosnien Herzegowina IZBA (Islamska zajednica, IZ BiH)
Ausrichtung: 
Hanafitisch
Kultusgemeinde: 
Bosniakische KG Ost West
ZVR: 
525110024

Der Verein

Der Bosniakisch-Muslimischer Kultur- Sport-  und Sozialverein "MSD" ist Mitglied der Bosniakische Kultusgemeinde Ost West. Der Verein wurde am 15. September 1972 erstmals vereinsrechtlich registriert.

Die vereinseigenen Gebetsräumlichkeiten befinden sich im Keller des Hauses Columbusgasse 78 im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten. Der Verein verfügt über einen eigenen Zugang direkt von der Straße aus. Die zwei Gebetsräume befinden sich direkt nebeneinander und bieten Platz für bis zu 150 Gläubige. Die Predigt wird bei Bedarf mittels Bildschirm auch in den kleineren der beiden Räume übertragen.

Der Verein beschäftigt einen eigenen Imam, Žužo Enijal, der, wie auch die sonstigen Ausgaben (Miete etc.), durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert wird. Gast-Imamen, in der Regel Theologiestudenten ausschließlich aus der bosnischen Gemeinde, wird während des Ramadan die Gelegenheit geboten, das Gebet zu leiten. Hin und wieder leiten auch Imame aus Bosnien einmalig das Gebet, aber ebenfalls ausschließlich solche, die Mitglied in der Islamischen Glaubensgemeinschaft Bosnien Herzegowina (Islamska zajednica, IZ BiH) sind.

Die eingeschriebenen Vereinsmitglieder sind fast ausschließlich Männer, deren Mitgliedschaft die ganze Familie mit einschließt. Im Falle des Todes eines Familienvaters übernimmt die Witwe die Mitgliedschaft.

Neben dem Freitagsgebet stehen die Räumlichkeiten an den Wochenenden für Gebete zur Verfügung. Sie sind aber auch unter der Woche häufig für Mitglieder geöffnet. Zu den Freitagsgebeten kommen ausschließlich Männer, da Freitagsgebete für Frauen nicht verpflichtend seien, wie der Vorsitzende, Buzar Irfan, betont.

Der Verein ist traditionalistisch und konservativ ausgerichtet.

Die Kultusgemeinden

Nach Inkrafttreten des neuen Islamgesetzes im Jahr 2015 organisierten sich die dem IZBA nahestehenden bosnischen Moscheevereine in 4 Kultusgemeinden mit insgesamt 40 Moscheevereinen innerhalb der IGGÖ:

Diese Struktur ist allerdings in erster Linie den Vorgaben des Islamgesetzes von 2015 und der in diesem festgelegten Struktur der IGGiÖ geschuldet. Stimmberechtigt sind innerhalb der IGGÖ die einzelnen Kultusgemeinden, zudem hat jede Kultusgemeinde das Recht, eine/n Vertreter/in in den Schurarat zu entsenden (Art. 8, Abs. 3 der Verfassung der IGGiÖ) und muss mit zumindest einer/m Vertreter/in im Obersten Rat der Glaubensgemeinschaft vertreten sein (Art. 9, Abs. 3). Auf die tatsächliche Struktur und Arbeitsweise der Organisation haben die Kultusgemeinden keine Auswirkung.

Geschichtlicher Hintergrund

Ab den 1960er Jahren kamen zahlreiche muslimische Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen, vorwiegend aus der Türkei und aus Jugoslawien, nach Österreich, welche durch den 1962 gegründeten Muslimischen Sozialdienstes (MSD – offiziell: Bosniakisch-Muslimischer Kultur- Sport-  und Sozialverein) in sozialen und religiösen Belangen betreut wurden. So organisierte der Verein unter anderem Heiraten und Begräbnisse nach muslimischem Ritus und – so gewünscht – die Überführung von Toten in die jeweiligen Heimatländer, leistete Seelsorge, wickelte die Konvertierung zum Islam von Übertrittswilligen ab und galt so als Vorläufer der heutigen Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), der offiziellen Vertreterin aller sunnitischen Muslime Österreichs. Der Muslimische Sozialdienst war die treibende Kraft hinter der Gründung und Anerkennung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Er strebte die staatliche Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaft an und stellte 1971 ein entsprechendes Ansuchen im Bundesministerium für Unterricht und Kunst, dem 1979 stattgegeben wurde. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) wird ab diesem Zeitpunkt offiziell als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt.
Nach der Gründung der IGGiÖ 1979 wandelte sich der Muslimische Sozialdienst zu einem Verein, der sich nun rein karitativ engagierte und vorwiegend auf bosnische Muslime konzentrierte. Mit stetig steigender Zahl an Muslimen und Musliminnen in Österreich, vor allem nach dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien, in dessen Folge viele bosnische Muslime nach Österreich kamen, bildeten sich zahlreiche weitere bosnische islamische Vereine, die sich um die Neuankömmlinge kümmerten und die Aufgaben des Muslimischen Sozialdienstes übernahmen. Heute ist die Fähigkeit des Vereins zu helfen nach eigenen Angaben sehr beschränkt, aufgrund seines geringen finanziellen Rückhalts – er finanziere sich ausschließlich durch die Mitgliedsbeiträge der ungefähr noch 50 zahlenden Mitglieder. Der Muslimische Sozialdienst, der älteste muslimische Verein Österreichs, der 2012 sein 50-jähriges Bestehen feierte, existiere heute vorwiegend aus sentimentalen Gründen.
Seit Sommer 2016 ist der Bosniakisch-Muslimische Kultur- Sport- und Sozialverein "MSD" Mitglied der Bosniakischen Kultusgemeinde Ost West.

Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich

Der Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich entstand 2012 durch den  Zusammenschluss der beiden Dachverbände „Dachverband bosnisch islamischer Vereine in Österreich“ und der „Union der bosnischen Sport-, Kultur- und Religionsvereine Österreich“. Ziel des neuen Verbands ist es, alle Moscheegemeinden der Bosniaken mit ähnlicher Zielsetzung in Österreich unter ein Dach zu bringen. Der Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich repräsentiert laut eigenen Angaben – zusammen mit den ebenfalls beigetretenen vormals unabhängigen Moscheevereinen - nun insgesamt 40 Vereine. Der Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich ist die größte muslimische Vereinigung nach den türkischen Großverbänden ATIB, IF und UIKZ und ist Mitglied sowohl in der in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Bosnien-Herzegowina (IGG BiH) als auch in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Gemäß seinen Statuten unterstützt der Dachverband bosnischer-islamischer Vereine in Österreich seine Mitglieder sowohl in religiösen, kulturellen und sozialen Belangen, und setzt sich für die Integration der Bosniaken in Österreich ein.

Obwohl die Moscheegemeinden unabhängige Vereine sind und dem österreichischen Gesetz unterliegen, nimmt sich die Rijaset, die höchste religiöse und administrative Autorität in der IGG BiH das Recht, über ihr „Büro für bosniakische Diaspora“ in die Organisationen und Verwaltung der Moscheegemeinden im Ausland einzugreifen. Auch was die Anstellung von Imamen betrifft, ist der Verband – und damit alle seine Moscheegemeinden – auf die Zustimmung der Rijaset angewiesen. Erst ein durch die Rijaset ausgestelltes Dekret ermöglicht einem Imam eine 4-jährige Anstellung bei einer Moscheegemeinde. Seit 2011 ist jeder angestellte Imam automatisch Mitglied des Vorstands einer Moscheegemeinde und steht so unter noch stärkerem Einfluss durch die Rijaset. Nach einer neuen Verordnung der Rijaset dürfen nur Absolventen der Studienrichtungen Theologie und der Imam-Ausbildung der Fakultät für Islamwissenschaften in Sarajewo als Imame arbeiten, obwohl es – vor allen in Moscheegemeinden außerhalb Bosnien-Herzegowinas - Ausnahmen gibt.

Einige in Österreich tätigen Imame erhielten ihre Ausbildung außerhalb Bosnien-Herzegowinas, ein guter Teil von ihnen in arabischen Ländern. Nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina fühlten sich die bosnischen Muslime von den europäischen Staaten nicht ausreichend unterstützt, was dazu führte, dass einige arabische Staaten diese Lücke als Legitimation ihrer Missionsarbeit unter bosnischen Muslimen missbrauchten. Saudi-Arabien, welches sich in Bosnien massiv beim Bau von islamischen Ausbildungsstätten und anderen Infrastruktureinrichtungen engagiert(e), verbreitet über in Saudi-Arabien ausgebildete und nach Bosnien zurückgekehrte bosnische Theologen seine extrem konservative Schule des Wahhabismus. In Österreich gibt es einige bosnische Moscheen, die ihre theologischen Anweisungen, bzw. Teile ihrer finanziellen Förderung aus islamischen Zentren in arabischen Ländern erhalten. Dies wird auch von der Rijaset in Sarajewo kritisch beobachtet. Imame, welche bei einer Moscheegemeinde des Verbands der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich arbeiten wollen, müssen vorher einen Deutschkurs besuchen. Die Mehrheit der Imame aus Bosnien verfügt über ausreichend gute deutsche Sprachkenntnisse. Die in Österreich eingesetzten Imame setzten sich laut eigenen Angaben – wie ihre Muttergemeinde IGG BiH - für die Integration der Bosniaken in Österreich und für den interreligiösen Dialog ein.

Kurzer geschichtlicher Hintergrund

Die islamische Glaubensgemeinschaft in Bosnien-Herzegowina (IGG BiH) wurde 1882 gegründet. Da zwei Drittel der Bosniaken im Ausland leben, ist die IGG BiH sowohl für die Bosniaken in Bosnien-Herzegowina, als auch für Millionen Bosniaken im Ausland zuständig. So zählen zur IGG BiH auch die islamischen Glaubensgemeinschaften im Sandschak, in Kroatien und in Slowenien. Im Zuge des durch den Bürgerkrieg ausgelösten Zustroms von Flüchtlingen nahm die Zahl der bosniakischen Gemeinden in Österreich in der Zeit nach 1992 zu, so dass ein Zusammenschluss zu einem Verband nahelag und 1994 der Dachverband bosnisch-islamischer Vereine in Österreich gegründet wurde. 2004 spalteten sich vom Dachverband 10 Moscheegemeinden ab, um einen zweiten, gleichberechtigten Dachverband der bosnischen Muslime in Österreich, die „Union der bosnischen Sport- Kultur- und Religionsvereine Österreich“ zu gründen. Auf Initiative der Rijaset vereinigten sich nun die beiden Dachverbände im neuen „Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich“.

Aktuelle Aktivitäten

Der Verein bietet seinen Mitgliedern einen Beerdigungsservice. Auch Hochzeiten können im Verein organisiert werden.

Für Kinder wird einmal wöchentlich am Samstag zwei Stunden (im Winter von 10-12 Uhr, im Sommer von 11-13 Uhr) Koranunterricht erteilt, der von 25 Kindern regelmäßig besucht wird.

Innerhalb des Vereins besteht eine eigene Jugendgruppe, der MSD-Jugendclub, der sich alle zwei Wochen nach dem Freitagsgebet zu Gesprächen oder Vorträgen trifft.

Ebenfalls alle zwei Wochen treffen sich die Senioren und Seniorinnen des Vereins zu einem eher familiären Zusammensein mit gemeinsamen Essen.

Hin und wieder finden Führungen für Schulklassen statt, verbunden mit Vorträgen über den Verein und den Islam.

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