Moscheeneinrichtung

BAYT ALMAGHREB (Das Marokkanische Haus)

Der Verein

Der Verein BAYT ALMAGHREB (Das marokkanische Haus) جميعة بيت المغرب فيينا.

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wurde im September 2013 von einer Gruppe von Marokkanern gegründet. Seit Jänner 2018 wurde kein neuer Vorstand gewählt oder die Behörden wurden über eine neue Wahl nicht informiert. Ob der vormals gewählte Vorstand noch im Amt ist, kann nicht beurteilt werden. Der Obmann vertritt den Verein nach außen. Vereinsaktivitäten werden jedoch mit dem bestehenden Vorstand weitergeführt.
Nach dem neuen Islamgesetz ist der Verein als eine Moscheeeinrichtung und Mitglied der Kultusgemeinde multikultureller Moscheeeinrichtungen beim Kultusamt eingetragen. In dieser Kultusgemeinde gibt es auch Vereine, die der Muslimbruderschaft nahestehen. Bei den Kultusgemeinden ohne Verbandsstrukturen besteht jedoch keine koordinierte Zusammenarbeit. Die Kultusgemeinden, die durch das neue Islamgesetz entstanden sind, haben keinen Einfluss auf die gewöhnliche Arbeit der Mitgliedsvereine.
In dieser Moscheeeinrichtung in der Wehlistraße finden regelmäßig das Freitagsgebet und das Ramadan-Gebet (tarāwīḥ) statt. Die Freitagspredigt wird ohne deutsche Übersetzung auf Arabisch abgehalten. Der Verein beschäftigt keinen hauptamtlichen Imam. Verschiedene Wander-Imame übernehmen die Verantwortung für das Freitagsgebet.  Auf der Facebook-Seite des Vereins werden u. a. Predigten der Imame vorgestellt, die auch in den anderen Moscheen der Kultusgemeinde predigen, wie Prof. Scheich Fahd Schībān (الشيخ فهد شيبان).

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Innenraum der Moschee

Aus den bestehenden Vereinsverhältnissen heraus einen hauptamtlichen Imam zu beschäftigen, scheint nicht realisierbar zu sein. Durch ein mögliches Imamregister und Standardbeschreibungen für die Moscheen wäre es viel einfacher festzustellen, ob es sich bei einem Verein tatsächlich um eine Moscheeeinrichtung oder um einen kulturellen Verein handelt.
In der Woche ist die Moschee oftmals geöffnet. Sie ist jedem Besucher frei zugänglich.  

Ausrichtung

Der Vorstand wie auch die Mitglieder des Vereins stammen aus Marokko. Über die politisch-theologische Ausrichtung der Moscheeeinrichtung kann nur spekuliert werden, weil der Verein aus unregelmäßigen Besucher*innen bzw. Mitgliedern besteht. In der Kultusgemeinde des Vereins sind Mitglieder der Muslimbruderschaft aktiv, ob dieser Verein jedoch der MB nahesteht, kann nicht eindeutig gesagt werden. Ein Vorstandsmitglied verneint jedoch eine Nähe zur Muslimbruderschaft.
Einige Aktivitäten des Vereins weisen jedoch darauf hin, dass er mit seinen Vereinsideen nicht weit von der Ideologie der „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (PJD) in Marokko entfernt ist.
Das Interesse des Vereins an der österreichischen Innenpolitik ist klar erkennbar, ebenso die Nähe zur SPÖ. So gibt es beispielsweise auf dem Facebook-Account des Vereins gemeinsame Fotos mit dem damaligen Bürgermeister Wiens – Dr. Michael Häupl von der SPÖ – und dazu arabische Texte wie „Ein Plausch mit dem Bürgermeister der schönsten Stadt der Welt, Wien, Hauptstadt Österreichs, während des gemeinsamen ʾifṭār, welcher vom Bürgermeisteramt Wien zu Ehren der islamischen Gemeinden ausgerichtet wurde“.
Ein älterer Beitrag unterstreicht die Nähe zur SPÖ, wie aus einem geteilten Post vom 10. Oktober 2015 ersichtlich wird, in dem für LAbg. Dipl. Ing. Omar al-Rawi geworben wird. Ebenso positioniert sich der Verein während des Wahlkampfes im Jahr 2016 deutlich auf Seiten des zukünftigen Präsidenten Österreichs, Prof. Dr. Alexander van der Bellen. Hierzu gibt es zwei Posts, von denen einer auf Arabisch[i] und einer auf Deutsch[ii] verfasst ist.
Weitere Themen, mit denen sich die Facebook-Seite von Das Marokkanische Haus befasst, sind der arabische Frühling, internationale Politik und ähnliches.

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Fastenbrechen beim Rathaus

Abdelati Krimi und Politik

Nach dem Vereinsregisterauszug ist Dipl.-Ing. Abdelati Krimi der Schriftführer des Vereins. Er ist ebenfalls Direktor bei der Agentur für Arbeitsintegration von Flüchtlingen und Migrantinnen (AAFM).[i]

Die AAFM ist die erste Arbeitsintegrations-Organisation für Flüchtlinge in Österreich und befindet sich in Meidling. A. Krimi war auch Kandidat der „Grünen“ bei der Wahl im Jahr 2020.

Wenige Tage vor der Wien-Wahl 2020 gab es eine große Aufregung um Abdelati Krimi, der auf Platz 40 bei den Grünen kandidierte. Krimi soll sich in einem Video auf einer Facebook-Seite namens InfoGrat gegen die geltenden Gesetze in Österreich ausgesprochen haben.  Krimi selbst spricht von einem Übersetzungsfehler. Konkret ging es dabei um eine arabischsprachige Sendung auf dem Portal InfoGrat (ein sehr professionelles Medium, dass sich auf Arabisch mit der österreichischen Politik beschäftigt) mit dem Titel „Live mit Krimi“. Die Moderatorin befragt ihn zum österreichischen Eherecht. Krimi antwortet darauf: „Zum Wohlbefinden der Kinder wollen wir zwischen den Eltern schlichten. Es ist etwas Gutes und wir werden versuchen, dieses soziale Problem zu lösen, obwohl wir gegen die Gesetze dieses Landes sind, weil diese Gesetze die Frau schützen und ihr Obsorgerechte geben und auch die Rechte zur Erziehung der Kinder.“ Später fügt er dann noch hinzu: „Es ist ein großes Problem und wir werden es uns in Zukunft ansehen.“ 

Abdelati Krimi nahm auf Facebook selbst zur Videosequenz Stellung. Der Grünen-Kandidat sprach dabei von einem Übersetzungsfehler und von einem „geschmacklosen, schmutzigen Wahlkampf“. Weil uns der Gesamtvideoausschnitt nicht vorliegt, können wir die Übersetzung nicht auf ihre Richtigkeit überprüfen. Deutlich ist jedoch, dass der Verein einen professionellen Zugang zu den ausländischen und inländischen Medien hat.

Aktuelle Aktivitäten

Der Verein verfügt zwar über keine eigene Homepage, ist jedoch auf Facebook vertreten.

Auf der Facebook-Seite des Vereins werden selten religiöse Beiträge veröffentlicht. Generell sind neben verschiedenen Firmenwerbungen auch Informationen zu Gebetsveranstaltungen im Monat Ramadan zu sehen. Des Öfteren gibt es auch Verlinkungen zur marokkanischen Gemeinde in Österreich. Auf der privaten Facebook-Seite von Herrn Krimi erscheinen zahlreiche Beiträge zu Veranstaltungen des Vereins.

 

 

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info@islam-landkarte.at

Adresse: 
Wehlistraße 218
Ort: 
1020 Wien
E-Mail: 
keine
Website: 
Herkunft: 
Arabisch
Dachverband: 
Kein
Gegründet: 
Samstag, September 21, 2013
Moschee: 
ja
Verbindung ins Ausland: 
Marokko
Ausrichtung: 
Nationalistisch und islamistisch
Kultusgemeinde: 
Kultusgemeinde multikultureller Moscheeeinrichtungen
ZVR: 
555191749