ATIB LInz

Location

Adresse: 
Humboldstrasse 46
Ort: 
4020 Linz
Bundesland: 
Oberösterreich
Tel: 
+43 1 334 62 80; 0732 94 33 66
E-Mail: 
office@atib.at
Website: 
Herkunft: 
Türkei
Dachverband: 
ATIB
Gegründet: 
Donnerstag, September 12, 1974
Verbindung ins Ausland: 
DIYANET (Diyanet İşleri Başkanlığı: Präsidium für Religionsangelegenheiten der türkischen Regierung
Ausrichtung: 
Türkisch-nationalistisch, konservativ sunnitisch, hanafitisch
Kultusgemeinde: 
ATIB Oberösterreich
ZVR: 
771227372

Der Verein

Der Türkisch-islamischer Verein für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Linz - (ATIB Linz) ist Mitglied der ATIB Kultusgemeinde Oberösterreich. Der Verein wurde am 12. September 1974 erstmals vereinsrechtlich registriert.

 

 

 

Die Kultusgemeinden der ATIB

Die Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATIB) wurde 1990 gegründet, wobei einige Niederlassungen schon vorher in Österreich operativ tätig waren (wie z.B. ATIB Landeck seit 1987). ATIB ist ein Dachverband für 65 Moscheevereine mit insgesamt 65 Imamen und zwei Seelsorgerinnen. ATIB ist mit Abstand der größte muslimische Verband Österreichs und die Auslandsabteilung des türkischen „Präsidiums für religiöse Angelegenheiten“ (Diyanet İşleri Başkanlığı - DIB), welches als offizielle staatliche Behörde die religiösen Angelegenheiten in der Türkei regelt. ATIB ist der türkischen Botschaft in Österreich weisungsgebunden, im Vorstand saßen bis zum Frühjahr 2017 Botschaftsangehörige als Vertreter des türkischen Staates. ATIB vertritt den sunnitischen Islam der hanafitischen Rechtsschule und versorgt seine Mitgliedsmoscheen mit Imamen und SeelsorgerInnen aus der Türkei. Da das Islamgesetz von 2015 die Auslandsfinanzierung von Imamen verbietet, dürfen die für ATIB tätigen türkischen Imame nicht mehr aus der Türkei finanziert werden.

Nach Inkrafttreten des neuen Islamgesetzes im Jahr 2015 organisierte sich ATIB in insgesamt 6 Kultusgemeinden mit je 10-11 Moscheevereinen innerhalb der IGGÖ:

Diese Struktur ist allerdings in erster Linie den Vorgaben des Islamgesetzes und der in diesem festgelegten Struktur der IGGÖ geschuldet. Stimmberechtigt sind innerhalb der IGGÖ die einzelnen Kultusgemeinden, zudem hat jede Kultusgemeinde das Recht, eine/n Vertreter/in in den Schurarat zu entsenden (Art. 8, Abs. 3 der Verfassung der IGGÖ) und muss mit zumindest einer/m Vertreter/in im Obersten Rat der Glaubensgemeinschaft vertreten sein (Art. 9, Abs. 3). Auf die tatsächliche Struktur der Organisation haben die Kultusgemeinden keine Auswirkung. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Zusammensetzung der sechs Kultusgemeinden der ATIB. So finden sich etwa in der KG Wien neben Wiener ATIB-Vereinen auch Moscheevereine aus Graz und Leoben in der Steiermark, aus Bad Vöslau in Niederösterreich und aus Wolfsberg und Klagenfurt in Kärnten, während sich ein Wiener Moscheeverein in der KG Niederösterreich findet. Ebenso sind der KG Salzburg Moscheevereine aus Kitzbühel, Kufstein und Schwaz in Tirol sowie aus Wels in Oberösterreich zugeordnet worden, wohingegen der KG Tirol Moscheevereine aus Frastanz und Bludenz in Vorarlberg angehören. Ein Kärntner Moscheeverein aus Villach zählt zudem zur KG Oberösterreich.

Geschichtlicher Hintergrund

Kurzer geschichtlicher Hintergrund zu den DIYANET-Organisationen in Deutschland und Österreich

Nachdem sich im Zuge der Arbeitsmigration in den 1960 und 1970er Jahren immer mehr türkische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in Europa angesiedelt und dort zunächst unabhängige Moscheevereine gegründet hatten, wurden 1984 in Köln und 1990 in Wien Auslandsabteilungen der staatlichen türkischen Religionsbehörde DIB gegründet, in Deutschland erhielt diese den Namen DITIB, in Österreich den Namen ATIB. Das Ziel bestand darin, den bis dahin unabhängigen Moscheevereinen eine geistliche Leitung beiseite zu stellen und der Abwanderung türkischer Muslime in konkurrierende oder oppositionelle religiöse Gruppierungen zuvorzukommen. Als Vereinszweck gibt ATIB unter anderem die Unterstützung von in Österreich sesshaften türkischstämmigen und dem Islam zugehörigen Personen in sozialen, kulturellen, religiösen, sportlichen und erzieherischen Bereichen an und offeriert vor allem Dienste, das religiöse Leben von Muslimen betreffend. So werden zum Beispiel Haddsch- und Umrah-Pilgerfahrten (die große und die kleine Pilgerfahrt) nach Mekka organisiert oder die Durchführung von muslimischen Begräbnissen angeboten.

In ihren Statuten betont ATIB, die österreichischen Gesetze zu befolgen, die Menschenrechte zu respektieren und großen Wert auf den interreligiösen Dialog zu legen. Grundsätzlich empfiehlt ATIB seinen Mitgliedern die Integration im Ausland und bietet daher auch Deutschkurse an. Für den Dialog mit nicht-islamischen Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen sind laut Satzung der Kultusgemeinden vom Vorstand ernannte Religionsbeauftragte zuständig, die die Gesamtverantwortung für den religiösen Dienst der Gemeinde und die religiöse Betreuung der Muslime im Tätigkeitsbezirk der Kultusgemeinde tragen.

Als Konsequenz aus den Vorwürfen, ATIB würde politische Gegner Erdoğans in Österreich ausspionieren, wurden im Frühjahr 2017 die Statuten des Verbandes geändert. Mitglieder des Vorstandes müssen demnach zukünftig aus der österreichischen Zivilgesellschaft kommen. Am 8. Mai 2017 wurde Dr. Nihat Koca zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Er löst Fatih Mehmet Karadas, den ehemaligen Religionsattaché der türkischen Botschaft in Wien, ab, der aufgrund dieser neuen Vorgabe nicht mehr in den Vorstand von ATIB berufen werden konnte.

Die gesamte Aufgabenstellung von ATIB wird von Ankara aus gesteuert: Verwaltung und Kontrolle der Moscheen, die befristete Abordnung, Besoldung und Kontrolle der verbeamteten Imame und Seelsorgerinnen, die Herausgabe religiösen Schrifttums, die Organisation von Koran-Kursen, die Klärung theologischer Fragen und die Organisation von Pilgerfahrten. Die in der Türkei ausgebildeten und in Österreich als türkische Staatsbeamte tätigen Imame, welche ATIB durch die DIB jeweils für vier Jahre zur Verfügung gestellt wurden, waren mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in Österreich wenig vertraut und der deutschen Sprache – trotz eines obligatorischen Sprachkurses – nur selten mächtig. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Außenministerium und der Universität Wien werden Kurse angeboten, um Imame und SeelsorgerInnen für ihre Aufgaben in Österreich vorzubereiten. ATIB ist seit 2011 Mitglied der IGGÖ und ihre Mitglieder stellten bei den letzten IGGÖ-Wahlen die größte Anzahl unter den Delegierten. Seit dem Jahr 2016 stellt die ATIB mit Ibrahim Olgun den Präsidenten der IGGÖ.

In der Zeit vor der türkischen AKP-Regierung war es der ATIB untersagt, mit anderen türkisch-islamischen Organisationen zu kooperieren. Seit rund zehn Jahren sucht ATIB aber die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und organisiert gemeinsame Veranstaltungen. Zudem ist neben dem zunehmenden Auftreten türkischer Politiker und Regierungsvertreter in ATIB-Moscheen in Österreich allgemein eine verstärkte religiös-konservative Neuorientierung zu verzeichnen, die auch mit der gezielten Förderung eines türkisch-nationalistischen islamischen Bewusstseins unter MigrantInnen aus der Türkei einhergeht.

Ausrichtung

Die einzelnen, der ATIB zuzuordnenden Vereine sind jeweils lokal entstanden und auf dieser Ebene nicht einheitlich zu sehen. Ihre Mitglieder sind durchwegs heterogen und decken oft sowohl das laizistische, säkulare als auch das islamisch-konservative bis stark nationalistische Spektrum ab. Die überregionale Ebene, die durch ein Naheverhältnis zur türkischen Regierung geprägt ist, weist zunehmend konservativ-nationalistische Tendenzen auf. Mit Bezug auf die mit ihr in Verbindung stehende Religionsbehörde DIYANET ist festzuhalten, dass diese in der Türkei unter anderem für die Verbreitung von Inhalten verantwortlich zeichnet, die verstärkt nationalistische Gesinnung fördert und die politische Arbeit der Regierung theologisiert.

Aktuelle Aktivitäten

Laut den Statuten der Kultusgemeinde Niederösterreich sehen die ATIB Kultusgemeinden ihre Aufgabe darin, „für die Befriedigung der religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglieder und der türkischen Traditionen im Rahmen der Lehre der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, sowie für die Bereitstellung der dafür erforderlichen Einrichtungen und Ausbildung des erforderlichen Personals zu sorgen.“

Dementsprechend sind Organisationen im Umfeld von ATIB auch im elementaren Bildungsbereich aktiv und betreiben diverse Kindergärten und Kindergruppen in Österreich.

Zusammenarbeit

Auf internationaler Ebene unterhält ATIB insbesondere zur türkischen Botschaft und Regierung enge Verbindungen. In den letzten Jahren wurden mehrfach ATIB-Räumlichkeiten für AKP-Wahlkampfveranstaltungen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurde von Seiten von ATIB ein türkisches Imam-Ausbildungsprogramm für MaturantInnen aus Österreich und anderen europäischen Ländern beworben. Der frühere ATIB-Imam Ibrahim Olgun und jetzige Präsident der IGGÖ machte 2015 in sozialen Medien aktiv Werbung für die Ausbildung von österreichischen Imamen an türkischen Universitäten und sprach öffentlich sein Misstrauen gegenüber der theologischen Ausbildung an der Universität Wien aus.

Während sich die deutsche DITIB mit Vorwürfen der systematischen Denunzierung von Regierungskritikern konfrontiert sieht, liegen für Österreich keine entsprechenden Belege vor, welche eine dahingehende Intervention von DIYANET nahelegen.

Im Zuge der Verabschiedung des Islamgesetzes 2015 betonte DIYANET-Präsident Mehmet Görmez die Wichtigkeit der Arbeit von ATIB in Österreich und rief türkische MigrantInnen dazu auf, innerhalb des österreichischen Rechtsrahmens auf die befürchtete Einschränkung der Religionsfreiheit zu reagieren. Ein Antrag von ATIB auf Aufhebung der Bestimmungen des Islamgesetzes 2015, die Auflösung von Vereinen betreffend, wurde vom Verfassungsgerichtshof im März 2016 aus formalen Gründen abgewiesen.

 

In Österreich ist eine verstärkte Zusammenarbeit von ATIB mit anderen politisch-religiösen Organisationen zu verzeichnen, darunter die Türkische Föderation, die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş  (IGMG) und die Union Islamischer Kulturzentren (UIKZ).

Aktuell Meldungen

Seit Beginn des Jahres 2018 ist ATIB mehrfach in die öffentliche Kritik geraten. Mit dem Einmarsch der türkischen Truppen in die kurdische Region Efrin in Nord Syrien am 20. Januar  kam es europaweit in Moscheen, die der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt sind (darunter die österreichische ATIB und die deutsche DITIB) zu Gebeten für die türkischen Soldaten. Für Österreich ist dieses Gebet für die ATIB Moscheen in Hall in Tirol, Imst, Pöchlarn, Reutte, Schwaz und Wien Ottakring belegt.

Im April 2018 veröffentlichte der Falter Bilder aus der ATIB Moschee in der Dammstraße in Wien 20. Darauf zu sehen sind Kinder, die in Tarnuniformen die Schlacht von Gallipoli nachstellen. Das Kultusamt und die Stadt Wien haben daraufhin eine Überprüfung des Vereins und der Kultusgemeinde angekündigt.

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