Moscheeneinrichtung

Ahlulbeit Islamischer Kulturverein

Der Verein

Der „Ahlulbeit Islamischer Kulturverein“ wurde erstmals am 10. Mai 1992 vereinsrechtlich registriert und befindet sich im 17. Wiener Gemeindebezirk. Bei diesem Verein handelt es sich um eine der wichtigsten schiitischen Moscheen in Österreich. In den Räumlichkeiten des Vereins finden regelmäßig gemeinsame Gebete statt. Der Verein betreibt eine eigene Homepage, welche nur auf Deutsch verfügbar ist und regelmäßig aktualisiert wird. 
Der Obmann, Amer Mohamad vertritt den Verein nach außen. Schriftliche Ausfertigungen des Vereins bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Unterschriften des Obmanns und des Schriftführers, in Geldangelegenheiten (Vermögenswerte Dispositionen) des Obmanns und des Kassiers. 

Organisationsstrukturen

Sayed Amer Al Helu ist der offizielle Vertreter von Ayatollah Sistani (wichtigster irakischer marǧaʿ at-taqlīd) in Österreich. Er erhielt die Erlaubnis von Ayatollah Sistani, die Pflichtgaben (ḫums und zakāh) von den Gläubigen zu sammeln. Diese Gelder dienen zur Finanzierung des Vereins. Auf Nachfrage hinsichtlich der Finanzierung gab der Verein an, „der Ahlulbeit Islamische Kulturverein ist selbständig und bekommt außer den Mitgliedsbeiträgen und Spenden keine finanziellen Unterstützungen.“

Der Obmann des Vereins ist Amer Mohamed, dieser vertritt, laut Aussage von Salem Hassan, eines der aktiven Mitglieder des Vereins, der auch als Kassier im Verein tätig ist, „die Lehre der Versöhnung, Integration und des friedvollen Zusammenlebens aller Menschen und Religionen unter Berücksichtigung der Gesetze der Republik Österreich und er spricht stets gegen alle Arten von Radikalismus und Geschlossenheit.“

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Pope Francis (right) with Grand Ayatollah Ali al-Sistani – Reuters

Theologische/Ideologische Orientierung

Der Ahlulbeit Islamische Kulturverein ist ein schiitischer Verein, welcher sich auf die Lehre von Ayatollah Sistani bezieht. Bei dieser steht die politische Haltung nicht im Vordergrund. Obwohl Ayatollah Sistani selbst Iraner ist, setzt er sich für die Einheit sowie Unabhängigkeit des Iraks ein. Er fördert den Dialog der Religionen, so besuchte ihn auch Papst Franziskus in seinem Haus im Irak am 6. März 2021. Sistani distanziert sich von den mächtigen iranischen Theokraten. 

Aktivitäten und Ziele

In den Räumlichkeiten des Vereines finden regelmäßig gemeinsame Gebete  statt und die Predigten werden auf Arabisch, teilweise aber auch auf Deutsch abgehalten. 

Alle schiitischen Moscheen weltweilt halten die zehntägige Trauerzeit zum Gedenken an das Ereignis Aschura ab, als am 10. Oktober 680 n. Chr.

der dritte Imam der Schiiten, Imam Hossein, den Märtyrertod starb. Die Trauerfeierlichkeiten findet ab 1. bis 10. des Monats Muharram und auch am 20. Safar (40 Tage nach Aschura, dem sogenannten Al-Arbaʿin) statt. Dieses Ereignis markiert den Zeitpunkt der endgültigen Spaltung in Sunniten und Schiiten. 

Der Verein „Ahlulbeit“ begeht, wie andere schiitische Moscheen, diese Trauerfeierlichkeiten. Hierbei handelt es sich um die wichtigste Aktivität des Vereins, im Gegensatz zu den iranischen Moscheen, die auch sämtliche islamischen Feste, die Todestage der „Vierzehn Unfehlbaren“ (laut schiitischer Auffassung), ihre Geburtstage, alle islamischen Feste und auch das schiitische Fest „ʿĪd al-Ġadīr Ḫumm“ sowie das gemeinsame Fastenbrechen im Monat Ramadan (ifṭār) und politische Feste feiern.

Bezug zum Ausland

Der Verein „Ahlulbeit“ wird hauptsächlich von arabischsprachigen irakischen Schiiten besucht. Sie pflegen Beziehungen ins Ausland zum wichtigsten irakischen marǧaʿ at-taqlīd, Ayatollah Sistani, welcher seine Vertreter weltweit entsendet, so auch in die Moschee „Ahlulbeit“. Somit fungiert Sistanis Vertreter im Ahlulbeit Islamischen Kulturverein. Da Ayatollah Sistani zur Islamischen Republik Iran eine kritische Haltung einnimmt, sind auch seine Anhänger weltweit hinsichtlich des Iran und dessen Einrichtungen im Ausland sehr vorsichtig. 

Zukunft: Chancen und Herausforderungen

Die wichtigste Herausforderung des Ahlulbeit Islamischer Kulturverein ist es nach wie vor, ihre Unabhängigkeit von den Einrichtungen der Islamischen Republik zu bewahren. Zudem strebt der Verein danach, einen islamisch-schiitischen Islamunterricht in den österreichischen Schulen einzuführen, da das Schulamt der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) die schiitische Lehre ignoriert und schiitische Schüler*innen in Österreich sich deshalb vermehrt vom islamischen Religionsunterricht abmelden oder den sunnitisch geprägten Islamunterricht besuchen müssen. 

Schiiten

Schiiten bilden, nach den Sunniten, die zweitgrößte Strömung des Islams. Diese erkennen ʿAlī b. Abī Ṭālib und seine Nachkommen als alleinige Nachfolger des Propheten Muhammad an. Das Wort „Schia“ leitet sich von šīʿat ʿAlī ab, was „Partei Alis“ bedeutet. Zwischen Schiiten und Sunniten kam es im Laufe der Geschichte immer wieder zu Auseinandersetzungen. 

Die Schiiten unterteilen sich wiederum in Zaiditen (hauptsächlich im Jemen), Ismailiten (hauptsächlich in Zentralasien und Indien) und Dschaferiten (hauptsächlich im Iran und dessen Nachbarstaaten). 

Die Dschaferiten bilden sowohl weltweit als auch in Österreich mit Abstand die größte Gruppe der Schiiten.

Hintergründe

Im 11. Jahrhundert wurde in der Stadt Nadschaf im Irak die Ḥawza Naǧaf gegründet, welche noch heute das wichtigste schiitisch-theologische Zentrum darstellt. Im 15. Jahrhundert, nach der Machtübernahme der schiitischen Safawiden-Dynastie, wurde die Ḥawza Qom im Iran gegründet. Beide Zentren pflegten stets einen regen Austausch miteinander. Seit der Islamischen Revolution im Iran im Jahre 1979 und der damit einhergehenden Machtübernahme durch Ayatollah Khomeini hat die Ḥawza Qom im Iran enorm an Einfluss und Macht gewonnen, gleichzeitig wurde die Ḥawza Naǧaf im Irak durch die Regierung von Saddam Hussein extrem geschwächt – jedoch hat sie dennoch ihre Bedeutung nicht verloren. Weiterhin besitzen die führenden Religionsgelehrten der Ḥawza Naǧaf im Irak, wie Großayatollah Sistani und Ayatollah Hakim, als marǧaʿ-e taqlīd Autorität und entsenden ihre Vertreter zur Regelung der religiösen Angelegenheiten der Schiiten weltweit. 

Schiiten in Österreich

Die oben genannten Verhältnisse spiegeln sich auch in Österreich bei den gläubigen Schiiten wider. Der Imam des Islamischen Zentrum Imam Ali ist Vertreter der höchsten islamischen Autorität im Iran, welcher wiederum das Oberhaupt der Islamischen Republik Iran ist. 

Hingegen wird der Imam der Islamischen-Schiitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (SCHIA) mittels Erlass durch die höchste schiitische Autorität der Ḥawza Naǧaf im Irak bestimmt.  

Ein Vertreter eines schiitischen marǧaʿ-e taqlīd benötigt einen schriftlichen Erlass, welcher ihn dazu berechtigt, die Pflichtgaben (ḫums und zakāh) von den Gläubigen zu sammeln sowie die Chutba beim Freitagsgebet abzuhalten und Fragen zu religiösen Belangen zu beantworten und bei Streitigkeiten als Schlichter aufzutreten. Diese Vertreter sind Gelehrte, welche in der Regel jahrzehntelang Schüler des jeweiligen marǧaʿ-e taqlīd waren.  

Die Schiiten in Österreich unterteilen sich im Großen und Ganzen in zwei Gruppen: eine Gruppe, die sich als Teil der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) sieht und eine weitere, die als Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (SCHIA) zu den staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaften in Österreich zählt. 

Jene Gruppe, die sich als der IGGÖ zugehörig betrachtet, ist hauptsächlich persischsprachig, versammelt sich insbesondere im Islamischen Zentrum Imam Ali und pflegt engen Kontakt mit den Theokraten der Islamischen Republik Iran. 

Der Grund dafür, weshalb diese Gruppe der IGGÖ angehörig ist, ist der offiziellen Politik der Islamischen Republik Iran geschuldet, welche eine Zusammenarbeit mit den Sunniten weltweit anstrebt. Zu diesen Zwecken wurden im Iran auch Einrichtungen gegründet. Zudem ist immer wieder zu beobachten, dass diese sich als „fünfte Rechtsschule“ bezeichnen und versuchen, eine Führungsrolle für alle Muslim*innen zu übernehmen. 

Die Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (SCHIA) ist eine hauptsächlich arabischsprachige irakische Gemeinschaft und versammeln sich in den Räumlichkeiten des Vereins  Ahlulbeit islamischer Kulturverein. Der Imam der SCHIA ist der Vertreter von Großayatollah Sistani, der zur Regelung der religiösen Angelegenheiten der Schiiten in Österreich ermächtigt wurde. Die Glaubensgemeinschaft ist darum bemüht, ihre Unabhängigkeit von den herrschenden Theokraten der Islamischen Republik Iran zu bewahren.

Der Großteil der anderen schiitischen Gruppierungen und Vereine in Österreich, wie afghanische, pakistanische oder türkische, stehen der Ideologie der Islamischen Republik Iran nahe. 

 

Anmerkungen

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info@islam-landkarte.at

Adresse: 
Pezzlgasse 58
Ort: 
1170 Wien
Bundesland: 
Wien
Herkunft: 
irakisch
Gegründet: 
Sonntag, Mai 10, 1992
Ausrichtung: 
schiitisch
ZVR: 
266561246