Bosnisches Kulturzentrum Wels Dzemat Bosna
Hintergrund und Geschichte
Das "Bosnisches Kulturzentrum Wels Dzemat Bosna" wurde am 7. Juli 2017 erstmals vereinsrechtlich registriert. Der Obmann vertritt den Verein nach außen.
Das Bosnische Kulturzentrum Wels – Džemat Bosna ist eine religiös-kulturelle Einrichtung, die der bosnischen Gemeinschaft in Wels als geistiges und kulturelles Zentrum dient. Gegründet mit dem Ziel, die islamische Glaubenspraxis der bosnischen Diaspora zu bewahren, fördert der Verein zugleich die Pflege und Weitergabe kultureller Traditionen. Neben seinen religiösen Aufgaben engagiert sich das Zentrum in sozialen, integrativen und gemeinnützigen Projekten, die der gesamten lokalen Gemeinschaft zugutekommen.
Zudem ist das Zentrum Mitglied des Dachverbandes IZBA sowie der Bosniakischen Kultusgemeinden in Österreich, wodurch es aktiv in die überregionale Zusammenarbeit und Vernetzung eingebunden ist.
Ziele und Aktivitäten
Das Kulturzentrum hat sich zum Ziel gesetzt, religiöse, soziale und kulturelle Dienstleistungen für die bosnische Gemeinschaft in Wels anzubieten. Zu den Hauptaktivitäten gehören (Džemat Wels, n.d.)1:
- Religiöse Praxis: Regelmäßige Gebete, Freitagsgebete, Ramadan-Veranstaltungen und islamische Feiertage.
- Bildungsangebote: Koranunterricht, Vorträge über islamische Theologie und bosnische Kultur.
- Kulturelle Veranstaltungen: Organisation von interkulturellen Dialogen, Festivals und Feierlichkeiten.
- Soziale Arbeit: Unterstützung von Bedürftigen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Integrationsprojekte.
Theologische und institutionelle Einordnung
Das Bosnische Kulturzentrum Wels – Džemat Bosna folgt der hanafitischen Rechtsschule des sunnitischen Islams und sei Teil der bosniakischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Der Verein pflege enge Verbindungen zur Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) sowie zur Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina (IGG BiH). Durch seine Zugehörigkeit zur IGGÖ sei er offiziell als religiöse Einrichtung anerkannt und arbeite mit anderen muslimischen Organisationen in Österreich zusammen (BH-Botschaft, n.d.)2.
Öffentliche Wahrnehmung und mediale Präsenz
Zudem sei das Zentrum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zu interreligiösen und interkulturellen Beziehungen in Österreich gewesen. Eine Studie der Donau-Universität Krems hat sich mit der Rolle muslimischer Gemeinschaften in Österreich, darunter auch dem Bosnischen Kulturzentrum Wels, auseinandergesetzt (Donau-Universität Krems, 2023)3. Es sei in sozialen Medien präsent und informiert regelmäßig über Veranstaltungen und Projekte. In der medialen Berichterstattung sei das Zentrum sowohl für seine kulturellen als auch für seine sozialen Initiativen bekannt, insbesondere im Bereich der karitativen Arbeit und des interkulturellen Austauschs (Nachrichten.at, 2023)4.
Das Bosnische Kulturzentrum Wels – Džemat Bosna spielt eine bedeutende Rolle innerhalb der bosnischen Diaspora in Österreich. Durch seine religiösen, kulturellen und sozialen Aktivitäten trägt er zur Bewahrung der bosnischen Identität bei und unterstützt die Integration in die österreichische Gesellschaft. Neben seiner religiösen Funktion lege das Zentrum großen Wert auf interkulturellen Dialog und gesellschaftliche Verantwortung.
Dachverband

Wichtiger Hinweis
Nach den aktuell vorliegenden Informationen werden die Strukturen innerhalb der IGGÖ geändert. Die islamischen Verbände haben die Anzahl ihrer jeweiligen Kultusgemeinden reduziert. Die islamischen Verbände sollen demnach mit nicht mehr als einer Kultusgemeinde in den Gremien der IGGÖ vertreten sein.
Die tatsächliche Anzahl an Moscheen und Kultusgemeinden ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch unbekannt, weil die zuständigen Stellen die Informationen hierzu derzeit nicht zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund können die hier dargestellten Organisationsformen vom aktuellen Stand abweichen. Sobald die neuen offiziellen Informationen veröffentlichet werden, erfolgt eine Aktualisierung der Berichte. Es ist dennoch davon auszugehen, dass die neuen Strukturen keinen großen Einfluss auf die ideologisch-theologische Ausrichtung der Verbände haben werden.
Bosniakische Kultusgemeinde
Obwohl beide Länder eine lange gemeinsame Geschichte verbindet, gehen die heute in Österreich vorfindlichen bosniakischen Einrichtungen im engeren Sinn auf das Wirken der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen bosniakischen Diaspora zurück. Die erste Einrichtung dieser Art, die von bosniakischen Gastarbeitern in Österreich ins Leben gerufen wurde, ist der Verein bosnischer Muslime „Gazi Husrev-beg“ mit Sitz in Wien. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 6. Oktober 1990, mit den entsprechenden Vorbereitungen wurde jedoch bereits im Jahr 1987 begonnen.1 Mit dem Beginn des Bosnienkriegs Anfang der 1990er-Jahre sahen sich viele Menschen zur Flucht gezwungen – 85.000 Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina fanden zwischen 1992 und 1995 in Österreich Aufnahme. In der Folge wuchs der Bedarf sowohl an religiöser Betreuung als auch an humanitärer Hilfe für in Bosnien und Herzegowina zurückgebliebene oder in andere Länder des ehemaligen Jugoslawiens ausgewanderte Familienangehörige und Bekannte. Dies ließ bundesweit eine Reihe weiterer Vereine entstehen, die auch über Gebetsräumlichkeiten verfügten und den Zweck von Moscheen erfüllten.2 Nachdem diese Vereine lange Zeit eigenständig agiert hatten, ohne dass die Zusammenarbeit und Verbindung zwischen ihnen formell geregelt oder auf irgendeine Weise koordiniert worden wäre, kam es schließlich im Oktober 1995 zur Gründung des Dachverbands bosnisch-islamischer Vereine in Österreich (heute Verband bosniakisch-islamischer Vereine IZBA). Unter diesem versammelten sich alle bosniakischen Vereine, die sich der Pflege der islamischen Tradition der Bosniaken und der Organisation ihres religiösen Lebens verschrieben hatten. Weitere Aufgaben sah der Verband in der Wahrung der bosnischen Muttersprache, der bosniakisch-islamischen Tradition und der bosniakischen Kultur. Heute zählt der Verband 39 Mitgliedsvereine.3 Bis 2016 hatte jeder Mitgliedsverein seine eigenen Statuten, die sich inhaltlich voneinander unterschieden. Dies sollte sich mit der Novellierung des Islamgesetzes im Jahr 2015 ändern – ab da war religiöses Engagement der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
- 1 Džemat Wels. (n.d.). Offizielle Website des Vereins. Abgerufen am 18. Februar 2025, vonhttps://www.dzemat-wels.at/
- 2 BH-Botschaft. (n.d.). Diaspora und kulturelle Aktivitäten. Abgerufen am 18. Februar 2025, vonhttps://bh-botschaft.at/de/diaspora/
- 3 Donau-Universität Krems. (2023). Studie über interreligiösen Dialog und muslimische Gemeinschaften in Österreich. Abgerufen am 18. Februar 2025, vonhttps://door.donau-uni.ac.at/api/object/o:3327/get.
- 4 Nachrichten.at. (2023). Lebensretter bei der Nacht der Wohltäter. Abgerufen am 18. Februar 2025, vonhttps://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Lebensretter-bei-der-Nacht-der-Wohltaeter;art67,2193687.