Ahlulbeit Islamischer Kulturverein
Der Ahl-ul-Bait Kulturverein wurde im Jahre 1992 in Wien gegründet und ist seit 2013 Sitz der Islamischen-Schiitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (Schia). Bei diesem Verein handelt es sich um eine der wichtigsten schiitischen Moscheen in Österreich. In den Räumlichkeiten des Vereins finden regelmäßig gemeinsame Gebete statt. Der Verein betreibt eine eigene Homepage, welche nur auf Deutsch verfügbar ist und regelmäßig aktualisiert wird.
Der Obmann, Amer Mohamad vertritt den Verein nach außen. Schriftliche Ausfertigungen des Vereins bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Unterschriften des Obmanns und des Schriftführers, in Geldangelegenheiten (Vermögenswerte Dispositionen) des Obmanns und des Kassiers.
Organisationsstrukturen
Sayed Amer Al Helu ist der offizielle Vertreter von Ayatollah Sistani (wichtigster irakischer marǧaʿ at-taqlīd) in Österreich. Er erhielt die Erlaubnis von Ayatollah Sistani, die Pflichtgaben (ḫums und zakāh) von den Gläubigen zu sammeln. Diese Gelder dienen zur Finanzierung des Vereins. Auf Nachfrage hinsichtlich der Finanzierung gab der Verein an, „der Ahlulbeit Islamische Kulturverein ist selbständig und bekommt außer den Mitgliedsbeiträgen und Spenden keine finanziellen Unterstützungen.“
Der Obmann des Vereins ist Amer Mohamed, dieser vertritt, laut Aussage von Salem Hassan, eines der aktiven Mitglieder des Vereins, der auch als Kassier im Verein tätig ist, „die Lehre der Versöhnung, Integration und des friedvollen Zusammenlebens aller Menschen und Religionen unter Berücksichtigung der Gesetze der Republik Österreich und er spricht stets gegen alle Arten von Radikalismus und Geschlossenheit.“

Pope Francis (right) with Grand Ayatollah Ali al-Sistani – Reuters
Theologische/Ideologische Orientierung
Der Ahlulbeit Islamische Kulturverein ist ein schiitischer Verein, welcher sich auf die Lehre von Ayatollah Sistani bezieht. Bei dieser steht die politische Haltung nicht im Vordergrund. Obwohl Ayatollah Sistani selbst Iraner ist, setzt er sich für die Einheit sowie Unabhängigkeit des Iraks ein. Er fördert den Dialog der Religionen, so besuchte ihn auch Papst Franziskus in seinem Haus im Irak am 6. März 2021. Sistani distanziert sich von den mächtigen iranischen Theokraten.
Aktivitäten und Ziele
In den Räumlichkeiten des Vereines finden regelmäßig gemeinsame Gebete statt und die Predigten werden auf Arabisch, teilweise aber auch auf Deutsch abgehalten.
Alle schiitischen Moscheen weltweilt halten die zehntägige Trauerzeit zum Gedenken an das Ereignis Aschura ab, als am 10. Oktober 680 n. Chr. der dritte Imam der Schiiten, Imam Hossein, den Märtyrertod starb. Die Trauerfeierlichkeiten findet ab 1. bis 10. des Monats Muharram und auch am 20. Safar (40 Tage nach Aschura, dem sogenannten Al-Arbaʿin) statt. Dieses Ereignis markiert den Zeitpunkt der endgültigen Spaltung in Sunniten und Schiiten.
Der Verein „Ahlulbeit“ begeht, wie andere schiitische Moscheen, diese Trauerfeierlichkeiten. Hierbei handelt es sich um die wichtigste Aktivität des Vereins, im Gegensatz zu den iranischen Moscheen, die auch sämtliche islamischen Feste, die Todestage der „Vierzehn Unfehlbaren“ (laut schiitischer Auffassung), ihre Geburtstage, alle islamischen Feste und auch das schiitische Fest „ʿĪd al-Ġadīr Ḫumm“ sowie das gemeinsame Fastenbrechen im Monat Ramadan (ifṭār) und politische Feste feiern.
Bezug zum Ausland
Der Verein „Ahlulbeit“ wird hauptsächlich von arabischsprachigen irakischen Schiiten besucht. Sie pflegen Beziehungen ins Ausland zum wichtigsten irakischen marǧaʿ at-taqlīd, Ayatollah Sistani, welcher seine Vertreter weltweit entsendet, so auch in die Moschee „Ahlulbeit“. Somit fungiert Sistanis Vertreter im Ahlulbeit Islamischen Kulturverein. Da Ayatollah Sistani zur Islamischen Republik Iran eine kritische Haltung einnimmt, sind auch seine Anhänger weltweit hinsichtlich des Iran und dessen Einrichtungen im Ausland sehr vorsichtig.
Zukunft: Chancen und Herausforderungen
Die wichtigste Herausforderung des Ahlulbeit Islamischer Kulturverein ist es nach wie vor, ihre Unabhängigkeit von den Einrichtungen der Islamischen Republik zu bewahren. Zudem strebt der Verein danach, einen islamisch-schiitischen Islamunterricht in den österreichischen Schulen einzuführen, da das Schulamt der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) die schiitische Lehre ignoriert und schiitische Schüler*innen in Österreich sich deshalb vermehrt vom islamischen Religionsunterricht abmelden oder den sunnitisch geprägten Islamunterricht besuchen müssen.